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Aus: Ausgabe vom 12.09.2019, Seite 8 / Ansichten

Nachfolger des Tages: Charles Kupperman

Von André Scheer
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Charles Kupperman (M.) am 18. September 1987 mit Ronald und Nancy Reagan

Wir wussten schon lange, dass Donald Trump rücksichtslos ist. Aber dass er am Dienstag mit der Entlassung seines Nationalen Sicherheitsberaters John Bolton bis so etwa zehn Minuten nach jW-Redaktionsschluss wartete, das nehmen wir ihm übel. Dabei hat dieser getwitterte Rauswurf einer der größten Hassfratzen der US-Administration so viel Schönes zu bieten. Allein die ausgefeilte Dramaturgie, die in ihrer Eleganz jeder Wirtshausschlägerei zur Ehre gereicht.

Es war so um 18 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit, als »Real Donald Trump«, wie sich God’s Own President bei Twitter nennt, den Rauswurf seines Sicherheitsberaters verkündete: »Ich habe John Bolton gestern Nacht informiert, dass seine Dienste im Weißen Haus nicht länger benötigt werden …« Der Geschasste keilte zurück: »Ich habe letzte Nacht meinen Rücktritt angeboten, und Präsident Trump sagte: ›Lass uns morgen darüber sprechen.‹« Wäh, bätsch, ich hab’s zuerst gesagt!

Den Friedensaktivistinnen und -aktivisten von Codepink war das Geplärre der beiden Herren herzlich egal. Sie veranstalteten noch am Dienstag abend (Ortszeit) eine Feier vor dem Weißen Haus, Partyhütchen und John-Bolton-Doppelgänger inklusive. Das »Bye-bye, Bolton!« sei ihnen gegönnt – denn sein Nachfolger wird kaum netter sein. Den will Trump erst in der kommenden Woche ernennen. Gut möglich aber, dass es derjenige wird, der nun »geschäftsführend« den Sicherheitsberater gibt: Charles Kupperman. Der 68jährige gehörte schon unter Ronald Reagan als »Verteidigungsanalytiker« der US-Administration an, ein Kriegstreiber der ganz alten Schule also. Zwischen 2001 und 2010 gehörte er zur Spitze des »Zentrums für Sicherheitspolitik« – die Gruppe behauptet zum Beispiel, dass Muslime die US-Regierung infiltriert hätten, um in den Vereinigten Staaten die Scharia einzuführen. So klappt’s bestimmt mit einer Verständigung im Nahen und Mittleren Osten.

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