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Aus: Ausgabe vom 12.09.2019, Seite 4 / Inland
Neonaziszene an der Elbe

Neuer Anlauf

Rechte Mischszene macht Ende September in Hamburg mobil
Von Kristian Stemmler
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Teilnehmer einer antifaschistischen Demonstration stehen mit Bannern und Plakaten vor dem Bahnhof Dammtor (Hamburg, 14.4.2019)

Gleich zwei faschistische Demonstrationen sind in der zweiten Septemberhälfte in Hamburg geplant. Rechte Lokalgrößen, die zuletzt unter dem Motto »Merkel muss weg« demonstrierten, rufen für den 29. September zu einer Kundgebung auf – diesmal unter der skurrilen Bezeichnung »Deutscher Michel, wach endlich auf!«. Für das Wochenende davor – am 21. September – hat der Münchner Pegida-Chef Heinz Meyer eine Demonstration angemeldet – ausgerechnet vor dem autonomen Kulturzentrum Rote Flora.

Ebenso grotesk wie der Name des Bündnisses, das zur Demo am 29. September aufruft, ist das gewählte Motto (»Patriotische Laufdemo gegen Klimaabzocke und Flüchtlingswahnsinn, für unsere Kinder«). Die Organisatoren wollen augenscheinlich an die eingeschlafenen »Merkel muss weg«-Demos anknüpfen. Nach anfänglichen Erfolgen nahm deren Teilnehmerzahl stetig ab. Im November 2018 kamen nur noch knapp 100 Menschen zum Dammtorbahnhof. Mitte April 2019 nahmen die Veranstalter einen neuen Anlauf. Doch auch zu dieser Kundgebung, auf der der bayerische Neonazi Michael Stürzenberger sprach, kamen nicht mehr als 100 Demonstranten. Die Anmelder der Gegendemo brachten dagegen rund 1.000 Teilnehmer auf die Straße.

Hinter den bislang eher kläglichen Versuchen, in Hamburg den öffentlichen Raum zu besetzen, steht eine Mischszene aus Neonazis, AfDlern und Leuten aus der Türsteher- und Hooliganszene. »Richtungsweisend« für die Aufmärsche sei der Neonazi Thomas Gardlo, hieß es im April auf einer antifaschistischen Rechercheplattform. Neben ihm seien nicht nur »rechte Schläger« in die Organisation eingebunden, sondern auch mehrere AfD-Mitglieder, etwa Reiner Bruhn, AfD-Kandidat bei der Kommunalwahl im mecklenburgischen Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Wie bei den bisherigen rechten Demos dürfte allerdings auch am 29. September der Gegenprotest wesentlich stärker sein. Das »Hamburger Bündnis gegen rechts« hat eine Demo angemeldet, die um 11.30 Uhr an der Stadthausbrücke startet. »Alle, die für eine demokratische, offene und solidarische Gesellschaft eintreten«, seien aufgefordert, den Rechten entgegenzutreten, heißt es im Aufruf.

Meyer dürfte mit dem von ihm angemeldeten Versammlungsort für den 21. xSeptember unterdessen nicht durchkommen. Am 1. Mai hatte er schon einmal versucht, dort eine Dauerdemo abzuhalten, musste die aber verlegen und konnte am Ende zwei Teilnehmer begrüßen.

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