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Aus: Ausgabe vom 11.09.2019, Seite 10 / Feuilleton

Brockmann, Freier, Kaspar, Rasche

Von Jegor Jublimov

Man kann Jochen Brockmann wohl einen Wiener Schauspieler nennen, auch wenn er am Sonnabend vor 100 Jahren in Sternberg (Mecklenburg) geboren wurde. Gleich nach der Ausbildung bei Gustaf Gründgens in Berlin kam Brockmann 1940 für viele Spielzeiten ans Wiener Burgtheater. Von einem Ausflug an andere Bühnen sollte er später für Jahrzehnte ans Theater in der Josefstadt zurückkehren. Der Ausflug aber war auch nicht ganz ohne. Bei Fritz Wisten an der Berliner Volksbühne wurde der Mechelke in Hauptmanns »Die Ratten« zu einer Paraderolle Brockmanns. Er spielte auch in drei Defa-Filmen, wobei der Georgi Dimitroff in der Adaption von Hedda Zinners Reichstagsbranddrama »Der Teufelskreis« (1955/56) eine herausragende Leistung war. Im Westen sah man ihn in Filmen der Edgar-Wallace-Reihe und Fernsehserien, später dann in der Wiener Krimiparodie »Müllers Büro« (1986), die auch in der DDR Kultfilmstatus erlangte. Brockmann starb 1990 im Alter von 70 Jahren.

Am Sonntag kann in Neubrandenburg gefeiert werden. Allrounder Holm Henning Freier wird 70! Erstes Aufsehen erregte er 1972 in der Rolle des Interbrigadisten Ernesto, Sohn der Titelheldin in »Die große Reise der Agathe Schweigert« nach Anna Seghers’ Erzählung. Er blieb bis 1990 Schauspieler, arbeitete nach einem Zusatzstudium bei DFF und Defa aber auch als Autor und Regisseur im Trickfilm- und Reportage-Bereich. Vor mehr als 20 Jahren kam er nach Neubrandenburg, wo er im Film- und Medienzentrum Latücht ein spannendes Programm für Jugendliche und Erwachsene organisiert. Als Motor des Festivals »dokumentART« holt er Filmemacher aus aller Welt an den Tollensesee, das nächste mal ab 15. Oktober.

Ein populärer Fernsehjournalist aus Laage bei Rostock, der auch bei den Festivals in Neubrandenburg und Leipzig gefeiert wurde, wird morgen 80. Axel Kaspar gewann 1971 eine »Goldene Taube« bei der Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche. Man kennt ihn vom Bildschirm. Ab 1966 drehte er Beiträge für das Fernsehmagazin »Prisma«, von 1979 bis ’91 moderierte er es auch. Auch ihm war es zu verdanken, dass »Prisma« oft den Finger in Wunden legte. Bis vor zehn Jahren drehte Kaspar TV-Reportagen, seither hat er sich aufs Schreiben verlegt.

Ihren 75. kann morgen Marion Rasche begehen, eine gestandene Trickfilmerin und Diplomphilosophin, die in der Abendschule Malerei studierte. Seit 1971 hat Rasche als Dramaturgin und Regisseurin in Dresden Defa-Trickfilmgeschichte mitgeschrieben, sie galt bei Kollegen als Ermöglicherin. Später erwarb sie Verdienste mit filmischen Porträts befreundeter Künstler wie A. R. Penck, Georg Baselitz oder Achim Freyer.

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