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Aus: Ausgabe vom 11.09.2019, Seite 1 / Ausland
Afghanistan

Taliban-Offensive nach Trump-Absage

Afghanistan: Aufständische wollen Kampf gegen US-Truppen fortsetzen
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Im Visier der Taliban: Ausländische Militärhelfer und Invasionstruppen in Afghanistan (Foto vom Juni 2019, Ort nicht genannt)

Nach dem Abbruch der Friedensgespräche durch die USA haben die aufständischen Taliban angekündigt, ihren Kampf gegen die US-Streitkräfte in Afghanistan fortzusetzen. Washington werde seine Entscheidung »bald bereuen«, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.

US-Präsident Donald Trump hatte die monatelangen Gespräche mit den Taliban, deren baldiger Abschluss bereits erwartet wurde, am Montag für »tot« erklärt. Taliban-Sprecher Mudschahid sagte dazu: »Wir hatten zwei Möglichkeiten, die Besatzung in Afghanistan zu beenden. Die eine waren Dschihad und Kämpfe, die andere waren Gespräche und Verhandlungen. Wenn Trump die Gespräche beenden will, werden wir die erste Möglichkeit wählen.«

Trump hatte am Wochenende die Verhandlungen mit den Taliban vor einer möglichen Einigung auf ein Friedensabkommen abgebrochen. Ein nach seinen Angaben für Sonntag geplantes Geheimtreffen mit Taliban-Anführern in Camp David in den USA sagte der US-Präsident ab. Als Begründung nannte er einen Anschlag der Aufständischen von Anfang vergangener Woche in Kabul, bei dem mindestens 16 Menschen getötet worden waren, darunter ein US-Soldat.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Erwartungen an ein Abkommen zwischen den Taliban und den USA stetig gestiegen. Der Plan sah vor, dass Washington Teile seiner Streitkräfte aus Afghanistan abziehen würde. Die Taliban sollten sich im Gegenzug vom Terrornetzwerk Al-Qaida lossagen, die Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) bekämpfen und direkte Verhandlungen mit der Regierung in Kabul aufnehmen.

Unterdessen gingen in Afghanistan die Gefechte zwischen Aufständischen und Regierungskräften weiter. In der nördlichen Provinz Tachar seien binnen weniger Stunden die beiden Bezirke Jangi Kalah und Darkad an die Taliban gefallen, erklärten mehrere Provinzräte am Dienstag. Es sei unklar, wie viele Opfer es bei den zweitägigen Kämpfen gegeben habe. (AFP/dpa/jW)