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Aus: Ausgabe vom 09.09.2019, Seite 15 / Politisches Buch
Indien unter Präsident Modi

Großmacht in Wartestellung

Außenpolitisches Journal Welttrends mit Schwerpunkt auf Indiens Außen- und Innenpolitik
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Neben Japans Premierminister Shinzo Abe (l.) war auch Indiens Regierungschef Narendra Modi (2. v. l.) zu Gast beim russischen »Östlichen Wirtschaftsforum« in Wladiwostok (5.9.2019)

Mit einem der neuen Schwergewichte in der »internationalen Boxarena«, wie Chefredakteur Raimund Krämer in seinem Editorial schreibt, befasst sich die 155. Ausgabe der Welttrends. Das außenpolitische Journal widmet sich in diesem Monat der Frage, ob Indien zur Großmacht aufgestiegen ist, und tut dies unter dem Aspekt eines »Umbaus der internationalen Ordnung«. Zumindest für den nationalistischen und rassistischen Präsidenten Indiens, Narendra Modi, lautet die Antwort klar: Ja. Stefan Mentschel zufolge hat Indiens Linke dem nichts entgegenzusetzen, sie verliere weiter an Bedeutung, zitiert er den früheren Politikprofessor Kamal Chenoy aus Neu-Delhi – der selbst einmal zum Spitzenpersonal der Kommunistischen Partei (CPI) gehörte. Von Chenoy erfahren wir, dass die Linke in Indien Veränderungen auf internationaler Ebene nicht verstanden habe. So werde weder »moderne linke Literatur« zur Kenntnis genommen, noch gebe es »ernsthafte Auseinandersetzungen mit linken Diskursen« zu Fragen des Umweltschutzes oder der Geschlechtergerechtigkeit. Die Kommunisten hätten zudem das Problem fehlender innerparteilicher Demokratie und »Reformfähigkeit«, so Chenoy. Derweil werde die Gesellschaft von den Hindunationalisten, Modis Machtbasis, gespalten.

Sandra Destradi stellt heraus, wie Indien als stärkste Wirtschaftsmacht im südasiatischen Raum dennoch nicht seine geopolitischen Ziele erreichen konnte, wozu die »Schaffung eines stabilen Umfelds« ebenso gehöre wie die »Milderung von Störfaktoren«, die »angesichts poröser Grenzen« aus Indiens Nachbarstaaten »eindringen« könnten. Destradi meint damit vor allem Terrorgruppen aus Pakistan, aber auch die »Verbreitung anderer Konflikte aus den eher instabilen« Anrainerstaaten. Die Volksrepublik China habe ihren Einfluss insbesondere in Nepal oder Sri Lanka ausgeweitet, den Indien im eigenen Land begrenzen müsse. Letztlich bleibe der Autorin zufolge noch abzuwarten, ob »ein tatsächlicher Wandel in Indiens Regionalpolitik eingeleitet wird« oder ob das propagierte »Neighbourhood First« (Nachbarschaft zuerst) eine »leere Worthülse« bleibe. Bislang fehle eine »Vision« für die Region und ein »Interesse an der Förderung regionaler Kooperation«.

Auf das derzeitige Verhältnis zwischen China und Indien geht Christian Wagner näher ein. Die Volksrepublik sei nach wie vor »Fixpunkt« indischer Außenpolitik. Schließlich ist China Vetomacht im UN-Sicherheitsrat, als Nuklearmacht anerkannt und »eine der weltweit führenden Volkswirtschaften«. Dagegen fehle es der Indischen Union an den nötigen materiellen und institutionellen Möglichkeiten, seine Großmachtambitionen umzusetzen. Bislang habe Indien schließlich auch nicht von der »Rivalität« zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik profitieren können. (jW)

Welttrends. Das außenpolitische Journal, Jg. 27/Nr. 155, 72 Seiten, 4,80Euro, Bezug: Welttrends, Medienhaus Babelsberg, August-Bebel-Straße 26-52, 14482 Potsdam, E-Mail: bestellung@welttrends.de

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