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Aus: Ausgabe vom 06.09.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Umweltkatastrophe

Giftiges Gold

Neue griechische Regierung löst Wahlversprechen gegenüber kanadischer Bergbaufirma ein
Von Efthymis Angeloudis
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Einwohner von Skouries protestieren in Athen gegen die Pläne der Bergbaufirma Eldorado Gold (12.1.2013)

Für die Bergbaufirma Eldorado Gold konnten die griechischen Parlamentswahlen nicht besser ausgehen. Am Dienstag, zwei Monate nach dem Sieg der rechtskonservativen Nea Dimokratia, gab Eldorado bekannt, Installationsgenehmigungen zur Wiederbelebung seines abgebrochenen Minenprojekts Skouries vom griechischen Ministerium für Energie und Umwelt erhalten zu haben – eine angekündigte Umwelttragödie mit verheerenden Folgen für die Halbinsel Chalkidiki.

2017 hatten die Kanadier die Tätigkeiten ihres Tochterunternehmens Hellas Gold eingestellt. Als Grund nannte der CEO von Eldorado George Burns damals das schleppende Genehmigungsverfahren und den politischen Widerstand gegen die »Investition«. Eldorado verwendete in seinen Bergwerken die Flash-Smelting-Technik. Dabei gelangten laut einer Studie des griechischen Umweltministeriums 20.000 Tonnen Arsenstaub pro Jahr in die Luft – der zulässige Höchstwert liegt bei 20 Kilogramm innerhalb eines Jahres. Die Syriza-Regierung stoppte die Lizenzvergabe.

»Spätestens einen Monat nach Regierungswechsel kriegt ihr die Genehmigungen«, versprach der damalige Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis kurz vor den Wahlen. Griechenland, so die Kampagne der Nea Dimokratia, könne sich den »Luxus« des Unweltschutzes nicht leisten: »Die Griechen brauchen Arbeit.« Es stünden 1.200 Arbeitsplätze beim Minenbetreiber sowie mittelbar weitere 2.500 Stellen auf dem Spiel – behaupteten Eldorado und die damalige Opposition. Dass Chalkidiki und die unmittelbare Region um Skouries hauptsächlich vom Tourismus und der Imkerei leben, was durch die Aktivitäten der Bergbaufirma gefährdet werden würde, schien die Befürworter des Projekts nicht zu interessieren.

Nun war die Erteilung nicht einen Monat nach den Wahlen, sondern fast zwei, aber diese kleine Verspätung wird man dem griechischen Ministerpräsidenten verzeihen müssen – für griechische Verhältnisse ist das immer noch blitzschnell. Allerdings ermöglicht die Lizenz zwar den Einsatz von mechanischer und elektrischer Ausrüstung in der Skouries-Mine, ist aber noch keine Betriebsgenehmigung. Diese will die konservative griechische Regierung auch bald erteilen. War es das aber mit den »Lizenzproblemen« der Bergbaufirma?

Nein, meinen Kritiker des Projektes von der »Beobachtungsstelle für Bergbauaktivitäten«, einer Umweltschutzorganisation. Um die »notwendigen Voraussetzungen für den Neustart des gesamten Skouries-Projekts« zu erfüllen, werde viel mehr benötigt: »Der Vertrag müsste entsprechend geändert und eine neue umwelttechnische Lizenzierung durchgeführt werden«, teilte die Organisation am Donnertag auf ihrer Internetseite mit. »Aus unserer Sicht ist das ein Marketinggag, mit dem Eldorado so tun will, als ob seine Lizensierungsprobleme gelöst seien, um potentielle Käufer anzulocken.« Wenn das Bergbauprojekt fortgeführt werden solle, müsse die griechische Regierung jeden öffentlichen Nutzen abschreiben sowie Umwelt und Grundwasser der Region aufs Spiel setzen. Das wird selbst für Mitsotakis schwer umsetzbar sein.

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