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Aus: Ausgabe vom 06.09.2019, Seite 5 / Inland
Lohnrunde

Mehr Geld für prekäre Jobs

DGB legt Forderungen für Tarifverhandlungen der Leiharbeitsbranche vor
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Protest des DGB gegen den Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit (München, 1.5.2016)

Leiharbeiter sollen in Deutschland nach dem Willen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) deutlich besser verdienen als bisher. Der DGB verschickte am Donnerstag in Berlin einen Forderungskatalog an die Unternehmerseite, demzufolge die Leiharbeiter 8,5 Prozent mehr Geld sowie mehr Urlaubstage bekommen sollen – derzeit sind es mindestens 24 Urlaubstage, künftig sollen es mindestens 28 Tage sein. Zudem fordert die Gewerkschaft ein Urlaubs- und Weihnachtsgeld in Höhe eines vollen Monatsgehalts, bisher sind es nur 300 bis 600 Euro. In Deutschland gibt es den Angaben zufolge rund 900.000 Leiharbeiter, die fast alle nach Tarif verdienen. »Um perspektivisch eine eigenständige Alterssicherung der Beschäftigten zu erreichen, muss die Lohnentwicklung in dieser Entgeltgruppe spürbar angehoben werden«, erklärte der DGB-Bundesvorstand am Donnerstag in einer Pressemitteilung. »Die Beschäftigten dürfen im Alter nicht auf Grundsicherung angewiesen sein.«

Leiharbeit ist in Deutschland kein Randphänomen mehr. Laut Bundesagentur für Arbeit waren im Jahresdurchschnitt 2017 1,03 Millionen Leiharbeiter beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg ihre Zahl um 41.000 (plus vier Prozent). In den letzten zehn Jahren wuchs die Zahl um ganze 40 Prozent. Die atypische Leiharbeit ist damit für viele Beschäftigte zum Alltag geworden.

Die am schlechtesten bezahlten Leiharbeiter – sogenannte Helfer ohne gelernte Qualifikation – bekommen laut dem Ende 2019 auslaufenden Tarifvertrag nur 9,79 Euro pro Stunde in Westdeutschland und 9,49 Euro in Ostdeutschland, in höheren Tarifstufen steigt das Entgelt. Mit Blick auf das Lohnniveau der Helfer hieß es vom DGB, besonders hier müsse es eine »spürbare« Anhebung geben. Der Start der Tarifverhandlungen ist für den 17. September in Berlin geplant, auf der Unternehmerseite sitzen der »Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister« (BAP) und der »Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen« (IGZ). (dpa/jW)