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Aus: Ausgabe vom 05.09.2019, Seite 1 / Titel
Hurrikan Bahamas

Reiche und Touris zuerst

Hurrikan »Dorian« hinterlässt Spur der Verwüstung auf Bahamas. Ärmste Teile der Bevölkerung von Auswirkungen besonders schwer betroffen
Von Frederic Schnatterer
Helfer waten auf der Suche nach Überlebenden durch die Wassermassen auf Grand Bahama (3.9.2019)
Die gigantischen Ausmaße des Hurrikans »Dorian« aus dem All
Der Wirbelsturm hinterließ große Teile der Abaco-Inselgruppe komplett zerstört (3.9.2019)

Nachdem der Hurrikan »Dorian« drei Tage lang über dem Karibikstaat Bahamas gewütet hatte, ist er am Mittwoch in Richtung USA weitergezogen. Erst jetzt wird langsam das Ausmaß der Zerstörung auf den im Norden liegenden Inselgruppen Grand Bahama und Abaco deutlich. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag abend (Ortszeit) fand der Premierminister des Landes, Hubert Minnis, drastische Worte. Es handele sich um die »größte Katastrophe in der Geschichte unseres Landes«. Zusätzlich zu den sieben bisher bestätigten Todesopfern sei mit einer Vielzahl weiterer Opfer zu rechnen.

Bei »Dorian« handelte es sich um den stärksten Wirbelsturm, der je über dem Atlantik gemessen wurde. Der Hurrikan hatte am Sonntag mit Windböen von fast 300 Kilometern pro Stunde zunächst die Abaco-Inseln im Nordosten der Bahamas getroffen. Am Montag war er dann über die Insel Grand Bahama gezogen. Eine genaue Einschätzung der Lage wird jedoch erst in einigen Tagen möglich sein. Bis der Wirbelsturm am frühen Mittwoch morgen (Ortszeit) von der Insel abließ, waren Rettungseinsätze nahezu unmöglich. Kurz darauf machte sich Minnis aus der Luft ein erstes Bild von der Situation und sprach von weitgehend zerstörten und überschwemmten Landstrichen. Laut Schätzungen des Internationalen Roten Kreuzes sind 13.000 Häuser beschädigt oder zerstört worden. Die Vereinten Nationen vermuten, dass mindestens 61.000 Menschen auf Lebensmittellieferungen angewiesen sind.

Doch die Auswirkungen des Hurrikans auf die Infrastruktur trafen längst nicht alle Bevölkerungsschichten in dem als »Urlaubsparadies« geltenden Karibikstaat gleich stark. Während die Bewohner von Luxusressorts und Hotelkomplexen noch vor Ankunft des Wirbelsturms evakuiert wurden, war der Großteil der auf den betroffenen Inseln lebenden 76.000 Personen »Dorian« weitgehend schutzlos ausgeliefert. So ist die Armensiedlung The Mud im 6.000 Einwohner zählenden Ort Marsh Harbour auf Great Abaco komplett zerstört worden. Dort leben überwiegend undokumentierte haitianische Arbeitsmigranten, die 15 Prozent der Bevölkerung der Insel ausmachen und für den Tourismussektor essentiell sind. Im »Kleinen« lässt sich hier beobachten, wie ungleich der Klimawandel die Weltbevölkerung betrifft.

Während US-Präsident Donald Trump das Wochenende mit Golfspielen auf einem seiner Courts im US-Bundesstaat Virginia verbrachte, drückten zahlreiche lateinamerikanische Staaten angesichts der Situation auf den Bahamas ihre Anteilnahme aus. So erklärte der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez über den Kurznachrichtendienst Twitter, »die Regierung und das Volk der Bahamas« genössen Kubas vollste Solidarität und Unterstützung. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro erklärte am Montag, sein Land sei bereit, »dem bahamaischen Volk unter solch schwierigen Umständen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen«. Er habe seine Vizepräsidentin Delcy Rodríguez angewiesen, mit der dortigen Regierung die Möglichkeiten von Unterstützungsmaßnahmen zu erörtern.

Der auch weiterhin extrem gefährliche Wirbelsturm, der sich mittlerweile auf 165 Kilometer pro Stunde abgeschwächt hat, war schon am Mittwoch morgen (Ortszeit) in Florida zu spüren. Erste Ausläufer überzogen die Ostküste des US-Bundesstaats mit Sturmböen und heftigen Regenfällen. Es wird erwartet, dass »Dorian« sich danach in Richtung Norden nach Georgia, South und North Carolina fortbewegt.

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