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Aus: Ausgabe vom 04.09.2019, Seite 10 / Feuilleton

Hofmann, Fénelon

Von Jegor Jublimov
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Kein bisschen verstaubt wirkt der 1986 entstandene Handpuppenfilm der Defa »Die Suche nach dem Goldenen Vlies«, der die Argonautensage in Stephan Hermlins Bearbeitung äußerst spannend nacherzählt. Regisseur Rolf Hofmann hatte 1970 die Babelsberger Filmhochschule im Fach Kamera absolviert. Unter Einsatz von Nebel und ungewohnten Kameraperspektiven schuf er spektakuläre Aufnahmen. Hofmann galt nicht zu Unrecht als der beste Kameramann des Defa-Trickfilmstudios. Er arbeitete im Puppentrick-, Flachfiguren- wie im Realfilm, und das bis ins Rentenalter. In jener Phase leitete Hofmann auch Workshops in Holland, Japan, Indien oder China. Heute kann er seinen 80. Geburtstag begehen.

»Man sollte so, wie wir für die Liebe ganz neue, eigene Worte prägen, auch für den Hass Worte erfinden, die noch unverbraucht, nicht abgegriffen sind, die noch keinem anderen Hass dienten«, heißt es in dem Erfahrungsbericht »Das Mädchenorchester in Auschwitz«, verfasst von der Französin Fania Fénelon, geborene Goldstein. Den Künstlernamen wählte sie für ihre Vorträge von Chansons in Pariser Nachtbars. Als Jüdin und Unterstützerin des Widerstands wurde sie von der Gestapo im Mai 1943 verhaftet und ins KZ Auschwitz-Birkenau verbracht. Hier war auf Befehl der SS ein Frauenorchester gegründet worden, das für die beteiligten Häftlinge nur geringe Erleichterungen brachte. Fénelon arrangierte Melodien für dieses Orchester. Nach 15 Monaten in Ausch witz-Birkenau und Bergen-Belsen wurden sie und ihre Leidensgenossinnen von britischen Soldaten befreit.

Fania Fénelon trat wieder in Paris auf, wurde eine gefeierte Chansonsängerin. Vermutlich werden sich nur ältere Leser noch daran erinnern, dass sie in den 60er Jahren Teil des kulturellen Lebens in der DDR war. Sie kam mit ihrem damaligen Lebensgefährten, wohnte in einem Appartement Unter den Linden, gab Chansonabende, nahm Platten auf und unterrichtete Schauspielstudenten im Fach Chanson an der Theaterhochschule »Hans Otto« in Leipzig. Sie brachte französisches Flair in die DDR. Als sie nach Paris zurückkehrte, entstand 1973 das oben erwähnte Buch, das in vielen Teilen der Welt nachgedruckt und in einer Bearbeitung von Arthur Miller 1980 in den USA auch verfilmt wurde.

Als Fénelon 1983 starb, wurden unterschiedliche Geburtsjahre angegeben, u. a. 1908, 1918 und 1922. Wir halten uns an ihre Autobiographie. Dort erinnert sie sich am 2. September 1944 im Konzentrationslager daran, dass ja ihr 25. Geburtstag sei. Demnach ist die außerordentliche Künstlerin vorgestern vor 100 Jahren geboren worden.

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