Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 30.08.2019, Seite 2 / Ausland
USA, EU und Iran

»Operation Sentinel« floppt

Wenig Unterstützung für US-Militäreinsatz gegen Iran
Von Knut Mellenthin
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US-Verteidigungsminister Mark Esper (l.) und General Joseph Dunford am Mittwoch im Pentagon

Bundesaußenminister Heiko Maas will die Idee einer EU-»Beobachtermission« in den Gewässern rund um die Meerenge von Hormus neu bewerten. Das sagte er am Donnerstag am Rande einer Sitzung der EU-Außenminister in Helsinki. Nach dem G-7-Treffen, das am Wochenende im französischen Seebad Biarritz stattfand, gehe es verstärkt darum, zur Deeskalation beizutragen und zugleich die Geschlossenheit der Union zu demonstrieren.

Auf Einladung von Präsident Emmanuel Macron war Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif am Sonntag überraschend nach Biarritz geflogen, um mit seinem französischen Kollegen Jean-Yves Le Drian über Vorschläge zur Entspannung der Lage nach dem Ausstieg der USA aus dem Wiener Abkommen zu diskutieren. Am Montag hatte sich Macron dann bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Donald Trump zuversichtlich gezeigt, dass schon in wenigen Wochen ein Treffen des US-Präsidenten mit seinem iranischen Amtskollegen Hassan Rohani stattfinden könne. Trump schien durchaus nicht abgeneigt. Die iranische Seite machte aber sofort klar, dass es ohne Rückkehr der USA zum Wiener Abkommen keine solche Begegnung geben werde.

Indessen bestätigte US-Verteidigungsminister Mark Esper am Mittwoch während einer Pressekonferenz beiläufig, dass der von den USA initiierte Militäreinsatz »Sentinel«, der die Gewässer im Mittleren Osten überwachen und Handelsschiffe eskortieren soll, im Gange sei. Angeschlossen hätten sich bisher Großbritannien, Australien und Bahrain. Der kleine Inselstaat, der völlig von Saudi-Arabien abhängig ist, spielt wegen seiner militärischen Anlagen eine wichtige Rolle für die Operation. In Espers Aufzählung fehlte Israel, obwohl dessen Außenminister Israel Katz Anfang August mitgeteilt hatte, sein Land unterstütze die »Operation Sentinel« vor allem im Bereich der militärischen Aufklärung.

Das Vorhaben war erstmals am 2. Juli vom Generalstabschef der US-Streitkräfte, Joseph Dunford, vorgestellt worden. Demonstriert werden sollte vor allem, dass »die ganze Welt« hinter der iranfeindlichen Strategie der USA stehe.

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