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Aus: Ausgabe vom 29.08.2019, Seite 2 / Inland
Umweltverschmutzung

Äcker schwimmen in Gülle

Bundesregierung feilscht in Brüssel um Höhe von Nitratwerten im Grundwasser
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Einer geht noch. Äcker in Deutschland sind überdüngt

Angesichts der hohen Nitratbelastung im Grundwasser durch die Überdüngung von Feldern sind Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch zu Beratungen in Brüssel mit EU-Umweltkommissar Karmenu Vella zusammengetroffen.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte im vergangenen Jahr geurteilt, Deutschland verstoße gegen die EU-Grundwasserrichtlinie. Der Grenzwert von maximal 50 Milligramm Nitrat je Liter Wasser wird in der BRD an vielen Stellen überschritten, verursacht vor allem durch die Landwirtschaft. Die EU hatte der Bundesregierung Ende Juli noch zwei Monate Zeit gegeben, um Schritte zur Senkung der Nitratbelastung zu ergreifen.

Schulze sagte am Mittwoch im Inforadio des RBB, dass nun viele Maßnahmen geplant seien, um die Belastung des Wassers zu verringern. Die Devise sei jetzt: »Nicht am Ende alles rausfiltern, sondern vorne weniger reintun«. Überdies werde es »viele kleinteilige Maßnahmen« geben. »Zum Beispiel da, wo man an Hängen düngt, soll es Grünstreifen am Wasser entlang geben, damit nicht mehr so viel Dünger rausgeschwemmt wird und dann im Grundwasser landet.«

Mitte Juni hatten sich Umwelt- und Landwirtschaftsministerium auf eine gemeinsame Linie verständigt, um die Strafzahlungen von bis zu 850.000 Euro pro Tag wegen Verstößen gegen die EU-Vorgaben abzuwenden. Demnach ist für die besonders nitratbelasteten Gebiete eine Reduzierung der Düngung um 20 Prozent im Betriebsdurchschnitt vorgesehen.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kritisierte die Vorschläge als unzureichend. »Was die Bundesregierung im Gepäck hat, reicht nicht aus, um die Nitrateinträge in Deutschland nachhaltig zu reduzieren«, erklärte Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer für den Bereich Wasser/Abwasser. Der Schutz des Grundwassers gegenüber der Landwirtschaft müsse »endlich Priorität haben«. Es sei auch eine »Frage der Generationengerechtigkeit, dass der Grenzwert für Nitrat entsprechend der EU-Richtlinie nach über 25 Jahren eingehalten wird«. Verbraucher dürften nicht durch die steigenden Aufbereitungskosten für das Grundwasser »die Zeche zahlen für eine fehlende umweltorientierte Zukunftsstrategie in der Landwirtschaft«, sagte Weyand. (AFP/jW)

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