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Aus: Ausgabe vom 28.08.2019, Seite 10 / Feuilleton

Kelling, Busse, Rosenberg

Von Jegor Jublimov
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Seit 1964 vor der Kamera: Schauspielerin Petra Kelling (hier bei Dreharbeiten zum Tatort »Bauernopfer«, 2009)

Im deutschen Film und Fernsehen der Gegenwart sind ehemalige DDR-Schauspielerinnen für die Rollen von Haushälterinnen und agiler Omas zuständig. Bis 2006 war es vor allem Clara Zetkin (Gu­drun Okras spielte sie bei der Defa 1984), seither baut man auf Rosa Luxemburg. Die Sozialistin war Petra Kelling sehr nahe, und die Schauspielerin verkörperte sie 1983 und 1988 in zwei DDR-Fernsehproduktionen. Seit 1964 trat Kelling, die am Montag 75 wurde, immer wieder vor die Kameras, obwohl sie zunächst in Rostock und seit 1967 für vier Jahrzehnte im Berliner Theater der Freundschaft häufig auf der Bühne stand. Im Fernsehen sah man sie in Serien und Reihen wie »Polizeiruf 110«, »Tatort« oder »Morden im Norden«. Seit ihrem Debüt in Konrad Wolfs »Der geteilte Himmel« waren auch immer mal wieder anspruchsvolle Aufgaben dabei, etwa als Magdalena Scholl in »Sophie Scholl – die letzten Tage« (2005).

Petra Kelling hat in Babelsberg studiert, ihre Altersgefährtin Margot Busse, die am Sonntag ihren 75. begehen kann, in Leipzig. Ihr Filmdebüt in Frank Beyers »Karbid und Sauerampfer« wurde 1963 nicht zuletzt durch Erwin Geschonneck ein Publikumserfolg. Busse spielte u. a. in Karl-Marx-Stadt, Gera und Berlin Theater und wirkte 1972 wieder an einem Kassenknüller mit – als Freundin des von Winfried Glatzeder gespielten Titelhelden in »Der Mann, der nach der Oma kam«. Im selben Jahr hatte sie aber auch einen Misserfolg zu verkraften, als sie die Hauptrolle in »Laut und leise ist die Liebe« spielte. Der unmittelbar nach dem VIII. Parteitag der SED konzipierte Film entsprach schon nicht mehr den politischen Vorgaben, wurde gekürzt, umgeschnitten und nachsynchronisiert. Busse weigerte sich, die neuen Texte selbst zu sprechen und erhielt die Stimme einer Kollegin. Danach dauerte es mehrere Jahre, ehe sie wieder große Aufgaben im Fernsehen bekam – etwa die Hauptrolle der Serie »Bei Neuhaus’ zu Haus«. In den achtziger Jahren moderierte sie auch die Magazinsendung »Treffpunkt Kino«.

Nur ganz selten, wie in den Filmen »Die Legende von Paul und Paula« (1972) und »Einfach Blumen aufs Dach« (1979), war Manfred Rosenberg in seinen etwa drei Dutzend Filmen auch zu sehen. Trotzdem war er für das künstlerische Ergebnis eminent wichtig. Rosenberg leitete seit 1967 das Defa-Sinfonieorchester, und er sorgte für musikalische Erlebnisse, etwa bei »Don Juan, Karl-Liebknecht-Straße 78« (1980), »Zille und ick« (1983) oder »Sachsens Glanz und Preußens Gloria« (1985–87). Auch stand er, nachdem sein Klangkörper in Filmorchester Babelsberg umbenannt worden war, bis vor etwa zehn Jahren noch bei öffentlichen Veranstaltungen wie den Elblandfestspielen am Pult. Am Samstag wird er 90 und kann sich auf Glückwünsche von Kollegen wie auch vom dankbaren Publikum gefasst machen!

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