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27.08.2019
- → Betrieb & Gewerkschaft
Nur im Konflikt
Der ehemalige VW-Betriebsrat Stephan Krull setzt sich im aktuellen Express mit dem Umgang der Industriegewerkschaften mit Klimawandel und »Mobilitätswende« auseinander. Mit Bezug auf die »Transformationsdemo« der IG Metall mit 50.000 Teilnehmern am 29. Juni in Berlin (siehe jW vom 1. Juli) fragt er: »Warum waren die anderen Gewerkschaften nicht beteiligt, warum waren Umweltbewegung und Sozialverbände nicht beteiligt, warum wurden die Hunderttausenden Schülerinnen und Schüler von Fridays for Future nicht eingeladen?« Wichtiger noch ist seine Kritik an den »dünnen« inhaltlichen Positionen des Gewerkschaftsvorstands, der ebenso wie Bundesregierung und Konzerne auf E-Autos setzt. »Die Autokonzerne warten auf Subventionen und wollen Elektroautos bauen wie Autos mit Verbrennungsmotor: genauso groß, genauso schnell und mit ebensolcher Reichweite«. Solche Unternehmenspläne seien »das Gegenteil einer Mobilitätswende und müssten von den Gewerkschaften massiv kritisiert werden«.
Krull macht deutlich, dass sich der ökologisch-soziale Umbau nicht gemeinsam, sondern nur im Konflikt mit den Konzernen erreichen lässt. Er verweist darauf, dass die Eigentümer der Autofabriken nach wie vor satte Gewinne machen: »Die BMW-Eigner werden täglich um 5,5 Millionen Euro reicher, der Porsche-Piëch-Klan bekommt dieses Jahr zwei Milliarden Euro Dividende überwiesen, und Volkswagen hat dann immer noch eine ›Gewinnrücklage‹ von über 70 Milliarden Euro«. Es geht also auch um Verteilung. Und um die Frage des Eigentums: »Die Orientierung auf Konkurrenz und Maximalprofite, die kriminellen Machenschaften der oberen Managerkaste, der Missbrauch ökonomischer Macht erfordern eine Überführung der Autoindustrie in gemeinwirtschaftliche Formen. Mit Krisenkorporatismus ist den absehbaren sozialen, ökologischen und ökonomischen Problemen nicht beizukommen.« (dab)
Express. Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, 7/2019, 16 Seiten, 3,50 Euro; www.labournet.de/express
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