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Aus: Ausgabe vom 22.08.2019, Seite 8 / Ansichten

Imperator des Tages: Donald Trump

Von Michael Merz
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Groß, größer, Grönland - doch daraus wird wohl nichts

Größenwahnsinnige Milliardäre machen nicht einfach irgendwo Urlaub. Sie kaufen sich eine Insel. Mit dem Zeigefinger gehen sie über Landkarten, wie wenn sie an den Schaufenstern der Fifth Avenue vorbeischlendern, tippen auf einen Punkt, der in der Realität aus einem Haufen Sand mit drei Palmen besteht, und schmeißen dafür einen Haufen Scheine auf den Tisch. Unter den Größenwahnsinnigen ist Donald Trump der Imperator. Also hat es der US-Präsident gleich auf die größte Insel der Erde abgesehen. Kalaallit Nunaat – wie indigene Einwohner ihr Eiland nennen – gehört der dänischen Krone. Diese hatte sich einst Grönland, so tauften es die Europäer, einverleibt und bestimmt immer noch Außen- und Verteidigungspolitik im nicht mehr ganz so ewigen Eis.

Gezielt gestreute Gerüchte aus den USA, Trump wolle die Insel kaufen, machten seit Tagen hellhörig. Ein Staatsbesuch in Dänemark stand an und dann auch noch dieser Tweet vom Montag, der so symbolisch wie das Hissen des Sternenbanners auf Iwojima wirkte: Der Präsident twitterte ein montiertes Bild von einem goldenen Trump-Tower an karger Grönland-Küste. Es sei »im Grunde genommen ein großes Immobiliengeschäft« ließ er wissen und hatte vor, den Klondike-Reibach nach dem Kauf von Alaska noch zu übertreffen.

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen beeilte sich klarzustellen, dass sie nicht über einen Verkauf Grönlands reden wolle. Und überhaupt: »Grönland gehört Grönland.« Das stimmt, es hat seit 1979 weitgehende Autonomie. Für Trump, dessen koloniale Denkweise ihn auf die falsche Fährte gelockt hatte, sind das ungeklärte Besitzverhältnisse. Die Dollars den Dänen in den Rachen zu werfen, wäre also fruchtlos. Trump stand faktisch an der falschen Kasse. Seinen Staatsbesuch im Königreich sagte er am Dienstag abend flugs ab. Hier gibt’s nichts zu holen. Und die Grönländer werden sich hüten, ihn künftig einzuladen.

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