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Illegale Deals

Von Rafik Will
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Waffenhersteller Gaston Glock wird direkt angesprochen (Glock G36, Kaliber 45)

In knapp zwei Wochen sind Wahlen in Brandenburg und Sachsen. Alexa Hennings ist für ihr Feature »Süße Krankheit Elbhang« (DLF 2019; Di., 19.15 Uhr, DLF) nach Dresden gereist. In der sächsischen Hauptstadt, wo jeden Montag die Pegida-Anhänger ihren Hass auf die Straße tragen, hat sie unter anderem den Stadtteil Loschwitz als Soziotop für rechtes Gedankengut unter die Lupe genommen.

Um Gaston Glock, Chef des österreichischen Waffenherstellers Glock, dreht sich Verena Dürrs Hörspiel »Herr im Garten« (BR 2019; Di., 20 Uhr, DLF). »Spekulation in zwölf Szenen« ist darauf angelegt, den Familienunternehmer als Beispiel zu zeigen, das repräsentativ ist auch für andere Managertypen. Glock wird direkt angesprochen: Mit emotionslos in Du-Form vorgetragenen Meldungen, bei denen es sich um zusammengetragene Nachrichten etwa von Schießereien an Schulen und öffentlich gewordenen illegalen Deals handelt. In dagegengeschnittenen Monologszenen, die im Obstgarten spielen, relativiert Glock gegenüber seinem stummen Personenschützer die Auswirkungen seiner geschäftlichen Aktivitäten. Die blumige Rechtfertigungsrede des fiktionalisierten Pistolenmagnaten ist textlich mit am stärksten und findet im Stück kaum einen würdigen Gegenpart.

Endlich mal relaxen kann man bei Ingo Kottkamp und Massimo Maio, die sich in einem Feature fragen, wie so eine »Auszeit« (DLF Kultur 2019; Di., 20 Uhr, DLF Kultur) eigentlich funktioniert. Alfred Döblin hat in  »Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord« (DRS 2007; Di., 22 Uhr, Bayern 2) Prozessnotizen aus den zwanziger Jahren in Berlin verarbeitet. Das Stück handelt von einem Giftmord, es geht um Leidenschaft und Emanzipation. Ein brutaler Ehemann wird von seiner Frau umgebracht, die ihre Liebesbeziehung zu einer anderen Frau leben will. Eine Heartbreak-Challenge für Millennials und alle, die es werden wollen, bietet dann Lars Werner mit  »Ich wünschte, ich hätte dich vor dem Internet kennengelernt« (DLF Kultur 2019; Ursendung Do., 22 Uhr, DLF Kultur).

»Nasse Lappen / Sprühen Funken / Und können nichts verändern / An unsrer Liebe« – so geht der Text eines Seemannslieds, das in Jens Rachuts wundervollem Musikproduzentendrama »Herzinfarkt« vorkommt. Es geht aber auch weniger romantisierend: Raviv Ganchrow zum Beispiel schaut auf die physikalische Blitzbezähmung als Geburtsstunde des Radios: »Knallfunken« (DLF Kultur 2019; Ursendung Fr., 0 Uhr, DLF Kultur).

Der kürzlich verstorbene Ingomar von Kieseritzky wurde mit »Compagnons und Concurrenten oder Die wahren Künste« (SDR/DLR Berlin 1996; Sa., 15 Uhr, Bayern 2) zum Träger des begehrten Kriegsblindenpreises. Thema: künstlerische Sinnsuche in der Weimarer Literaturszene nach Goethes Tod. Wie zukunftsträchtig ist die digitale Gesellschaft mit ihren unzähligen batteriebedürftigen Endgeräten? Karl-Ludolf Hübener schaut sich beim wichtigsten Rohstofflieferanten selbst um: »Lithium – Die Jagd nach dem ›weißen Gold‹ in Bolivien« (WDR 2019; So., 11 Uhr und Mo., 20 Uhr, WDR 5).

Dem 2011 gestorbenen »Steve Jobs« (SR 2019; Ursendung So., 17 Uhr, SR2 Kulturradio) widmet Alban Lefranc sein gleichnamiges Stück, das sich an der Ergründung des Managers versucht. Annie Ernaux’ »Die Jahre« (HR 2018; So., 18.20 Uhr, SWR 2) sollte man sich unbedingt mal anhören, wenn man es noch nicht getan hat. Und Anfang der Woche startet Uta Reitz’ Hörspieldreiteiler »Verschiebungen – Man möchte ja kein Unmensch sein« (WDR 2019; Ursendung Teil 1/3 Mo., 27.8., 19 Uhr, WDR 3), der den Umgang mit Geflüchteten thematisiert. Teil 2 und 3 kommen den darauffolgenden Tagen.

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