Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 16.08.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Ein ­Wörtchen mitreden

Am Freitag startet die deutsche Fußballbundesliga in die neue Saison
Von Rouven Ahl
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Sehen so Sieger aus? Transferpossen hin oder her, der Weg zum Titel führt noch immer über die Bayern

Natürlich war es der FC Bayern, der die Schlagzeilen in der Sommerpause bestimmte. Vor allem die Transferpolitik des Rekordmeisters stand dabei im Mittelpunkt. Zwar verstärkten die Münchner ihren Kader für bislang insgesamt 118 Millionen Euro – mit Lucas Hernández und Benjamin Pavard wurde der Betrag aber vorwiegend in Defensivspieler investiert. Eine Verstärkung der Offensive ist weiterhin bitter nötig. Akuter Handlungsbedarf herrscht nach den Abgängen von Franck Ribery und Arjen Robben vornehmlich auf den Außenbahnen. Der Wunschspieler des FC Bayern, Leroy Sané, wird wohl aber vorerst nicht den Weg an die Säbener Straße finden.

Kommt Sané oder kommt er nicht? Diese Frage beschäftige über den Sommer fast alle Sportmedien in Deutschland. Auch Teile der sportlichen Führung gaben dabei kontinuierlich neue Wasserstandmeldungen zu einem möglichen Transfer ab. Das ging irgendwann nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch Manchester City, Sanés aktuellem Verein, ziemlich auf die Nerven. Der englische Meister verbot dem FC Bayern quasi, sich weiter öffentlich zum Thema zu äußern. Es war kein sonderlich professionelles Bild, das der deutsche Vorzeigeklub in diesem Sommer abgab.

Dazu gehört auch das Thema Uli Hoeneß. Irgendwie gerieten Informationen über dessen möglichen vorzeitigen Abgang an die Öffentlichkeit. Gute »Message Control« sieht anders aus. Wobei gerade Hoeneß ja generell aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht hat. Er wird der Bundesliga am Ende doch irgendwie fehlen, falls er nicht mehr für das Amt des Präsidenten kandidieren sollte. Dann nämlich muss der Fußballbeobachter auf herrlich trotzige Aussagen wie »Wenn Sie wüssten, wen wir schon alles sicher haben für die neue Saison« verzichten. Hoeneß bezog damit bereits im Februar Stellung zu den Transfergerüchten rund um seinen Verein. Wie wir heute wissen, hatte der FC Bayern, zumindest in der Offensive, bis Mitte August immer noch niemanden sicher.

Nun wurde der Kroate Ivan Perisic als Neuzugang präsentiert. Der Vizeweltmeister wird für ein Jahr ausgeliehen. Eher eine Verlegenheitslösung. Zuvor hatten sich die Bayern gerüchteweise einige Absagen von anderen Kandidaten eingeholt. Nein, es war wahrlich kein professionelles Bild, das der FC Bayern in diesem Sommer abgab.

Perisic spielte auch einmal für Borussia Dortmund. Er gehört zu den zahlreichen Transfers des BVB, die beim Weiterverkauf einen schönen Gewinn einbrachten. Was die Sichtung von jungen Talenten und sinnvollen Verstärkungen angeht, sind die Dortmunder mittlerweile an den Bayern vorbeigezogen. Für die Zugänge Julian Brandt, Thorgan Hazard oder Nico Schulz bekam die Borussia erneut viel Lob. Der Königstransfer – zumindest in puncto Prestige – war dabei aber sicherlich Mats Hummels, der von den Bayern zurück ins Ruhrgebiet wechselte.

Im Supercup schlug der BVB den FC Bayern dann auch gleich mit 2:0. Doch Prognosen für den kommenden Saisonverlauf lassen sich daraus schwerlich ableiten. Und so muss auch vor dieser Spielzeit (leider) festgehalten werden: Der Weg zum Titel führt nur über die Bayern.

Dennoch hat es den Anschein, als wären die beiden Granden im deutschen Fußball momentan auf Augenhöhe unterwegs. Teams, die möglicherweise ebenfalls ein Wörtchen mitreden könnten in puncto Meistertitel, sind RB Leipzig und Bayer Leverkusen. RB hat mit Julian Nagelsmann einen der besten Trainer überhaupt geholt. Und Leverkusen verfügt mit Kai Havertz über das aktuell vielleicht größte Talent im deutschen Fußball. Beliebter macht das die »Werks«- und die »Brauseelf« zwar nicht, für die Champions-League-Ränge sind beide aber ganz heiße Kandidaten.

Die Champions League hat Eintracht Frankfurt letzte Saison zwar verpasst, sorgte aber für rauschende Nächte im Europapokal – die Hessen zogen ins Halbfinale der Europa League ein und spielten sich dabei in die Herzen der Fans. Nach den Abgängen von wichtigen Spielern – Sébastien Haller und Luka Jovic – muss die Eintracht jedoch mal wieder neu aufbauen.

Mit Union Berlin ist nun ein weiterer Klub aus der Kategorie »Fanliebling über Vereinsgrenzen hinweg« in der Bundesliga. Die »Eisernen« geben heuer ihr Debüt in der ersten Liga. Fast jeder Anhänger in der Bundesliga freut schon sich auf die Auswärtsfahrt nach Köpenick in die »Alte Försterei«.

Neben Union kehrten der 1. FC Köln und der SC Paderborn 07 in die deutsche Beletage zurück. Während die Kölner sich dort endlich für einen längeren Zeitraum etablieren wollen, könnte das Thema für die Paderborner schon nach einem Jahr wieder erledigt sein. Überraschen würde das auch in Ostwestfalen wohl niemanden. Ein Gewinn ist das Team dank erfrischendem Offensivfußball aber allemal.

Wie schon in den Jahren zuvor verfügt die Liga über eine breite Mittelklasse. Teams wie der FSV Mainz 05 oder der SC Freiburg könnten bei optimalem Verlauf an den internationalen Plätzen kratzen – aber genausogut auch absteigen. Werder Bremen oder Hertha BSC wirken da schon etwas stabiler, Borussia Mönchengladbach sowieso. Und was ist mit dem FC Schalke 04? Die Prognose: Der Chaosklub landet zwischen Platz eins und 18. Eine präzisere Vorhersage ist in diesem Fall leider nicht möglich.

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