Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 15.08.2019, Seite 15 / Medien

Auch du, Facebook!

Menlo Park. Auch Facebook hat Mitarbeiter Sprachaufnahmen von Nutzern aus seinem Chatdienst Messenger anhören und abtippen lassen. Das räumte der Konzern in der Nacht zum Mittwoch ein, nachdem der Finanzdienst Bloomberg am Dienstag über die Praxis berichtet hatte. Betroffen seien laut Facebook Nutzer, die die Transkriptionsfunktion für Sprachnachrichten eingeschaltet hatten. Aufgabe der Mitarbeiter sei gewesen zu prüfen, ob die Software die gesprochenen Sätze korrekt verstanden habe. Die Nachrichten seien zuvor anonymisiert worden. Man habe die Praxis vor mehr als einer Woche gestoppt, so das Unternehmen.

Zuvor waren auch Amazon, Apple und Google kritisiert worden, weil sie Mitschnitte von Sprachassistenzsoftware von Mitarbeitern auswerten ließen, ohne dass es den Nutzern bewusst war. Für Facebook ist die Situation noch heikler als für die anderen Tech-Konzerne: Seit Jahren hält sich der Verdacht, Apps des Onlinenetzwerks hörten den Nutzer ab, um Werbung zu personalisieren. Facebook wies den Vorwurf stets zurück, auch Gründer und Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg verneinte dies im Frühjahr ausdrücklich bei einer Anhörung im US-Kongress und sprach von einer »Verschwörungstheorie«.

Facebook betonte auch immer, das Onlinenetzwerk verarbeite Audiodaten nur, wenn ein Nutzer die Erlaubnis dazu erteilt habe. Während klar ist, dass für eine Transkriptionsfunktion Aufnahmen verarbeitet werden müssen, dürfte den Nutzern nicht bewusst gewesen sein, dass auch Menschen sie zu hören bekamen. Bei Facebook hätten »Hunderte« Beschäftigte bei externen Dienstleistern sich die Audioclips angehört, schrieb Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. (dpa/jW)

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