Der Schwarze Kanal
Gegründet 1947 Montag, 19. August 2019, Nr. 191
Die junge Welt wird von 2208 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 14.08.2019, Seite 10 / Feuilleton

Dorst, Eichhorn, Wolf

Von Jegor Jublimov
Tatort_Auf_einen_Sch_48541433.jpg
Wie siehst du denn aus? Hilmar Eichhorn (M.) könnte beim »Tatort« eine Christiane Dorst gebrauchen

In Babelsberg wurde sie heute vor 80 Jahren geboren, und Babelsberg (und das benachbarte Potsdam) blieb ein Arbeitsleben lang ihre Heimat. Christiane Dorst hatte in Berlin-Weißensee Szenografie studiert und schuf anschließend in sechs Spielzeiten am Potsdamer Hans-Otto-Theater für etwa 50 Inszenierungen Bühnenbilder und Kostüme. Ab 1970 wurde dann das Kostümbild beim Defa-Spielfilmstudio ihr Hauptmetier. Wem half sie hier nicht alles mit ihren Entwürfen, den richtigen Gestus zu finden – von Jutta Hoffmann über Lilli Palmer zu Nastassja Kinski und Veronica Ferres, von Rolf Hoppe über Uwe Kockisch zu Herbert Grönemeyer und Götz George. Sie war Regisseuren wie Egon Günther, Frank Beyer, Bernhard Wicki und Peter Schamoni eine unentbehrliche Partnerin. Exemplarisch, wie sie die Atmosphäre von Lothar Warnekes Büchner-Film »Addio, piccola mia« unterstützte, auf dass der Film »gegen Ende, mit dem Fortlauf des Lebens immer farbloser wird bis zum Leichentuch, bis zu dieser Schneelandschaft zum Schluss und den schwarzen Figuren«.

Ein schmaler Jüngling spielte vor 40 Jahren den Dichter Georg Büchner, was man nicht glauben mag, wenn man den Mimen in heutigen Filmen sieht. Hilmar Eichhorn ist mit üppiger Figur ausgestattet, was ihn nicht daran hindert, wie einst gelegentlich textilfrei aufzutreten. Da hat die Kostümbildnerin nichts zu tun! Schon während des Studiums in Berlin-Schöneweide wurde der Dresdner 1974 als junger Goethe für den Film »Lotte in Weimar« entdeckt (und von Christiane Dorst eingekleidet). Neben Theater­engagements in Magdeburg, Halle und Leipzig stand er oft für Film und Fernsehen vor der Kamera, beispielsweise als unsympathischer Nebenbuhler in dem Erfolgsfilm »Ete und Ali« (1985). Aufgrund der verbreiteten Annahme, dass DDR-Funktionäre immer fies waren, spielte Eichhorn im neuen Jahrtausend viele DDR-Majore, -Generäle und -Politiker. Wünschen wir ihm zum 65. Geburtstag am Sonntag, dass er weniger klischeehafte Rollen zu spielen bekommt.

Schon 75 wird am Sonntag Bodo Wolf, der gerade wieder in der alten Serie »Geschichten übern Gartenzaun« im MDR-Hauptprogramm zu sehen ist. Der Schauspielersohn arbeitete zehn Jahre lang in Dresden, bevor er per Ausreiseantrag in den Westen wechselte. Dort war der Darsteller, der 1979 einen schönen Prinzen in »Schneeweißchen und Rosenrot« spielte, seltener zu sehen als zu hören, denn in deutschen Fassungen lieh er Stars wie James Caan oder Robin Williams, aber beispielsweise auch dem Geier Vultur in »Tabaluga« seine Stimme.

Ähnliche:

  • »Zwölf Millionen, Egon!« (Blick in die Gasse)
    03.09.2018

    Durch die Biergasse

    Was würde Yvonne dazu sagen? Eine Ausstellung über die Olsenbande in Potsdam
  • »Nein, i wo ...« – Besucher vor Willi Sittes Palast-Gemälde »Die...
    25.08.2018

    Phallischer Retrobarock

    Zum Umgang mit bausozialistischen Ärgernissen in Potsdam-Disneyland

Regio:

Mehr aus: Feuilleton