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Aus: Ausgabe vom 14.08.2019, Seite 6 / Ausland
Indigenenproteste Kolumbien

Kampf für das Leben

Kolumbien: Im Cauca protestieren Indigene gegen Gewalt und Passivität der Regierung
Von Frederic Schnatterer
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Straßenblockade im südlichen Departamento Cauca am 2. November 2017

Im südkolumbianischen Departamento Cauca hatte der dortige Indigenenrat CRIC für den gestrigen Dienstag zu Protesten gegen die anhaltende Mordserie in der Region und die Bedrohung von Angehörigen indigener Gemeinden aufgerufen. Die Aktion »zur Verteidigung des Lebens, des Territoriums und der Einheit« sollte um 9 Uhr morgens (Ortszeit) mit der Beerdigung von Kevin Mestizo Coicué und Eugenio Tenorio in der Gemeinde Toribío beginnen.

Die zwei Mitglieder der »Guardia Indígena«, einer Selbstverteidigungseinheit der Gemeinden, waren am vergangenen Samstag bei einem Anschlag zwischen den Gemeinden Toribío und Caloto getötet worden, weshalb der CRIC schon am Montag den »Ausnahmezustand« im Cauca ausgerufen hatte. Die nun stattfindende »Minga« sei eine Reaktion auf die Repression durch bewaffnete Akteure und die Passivität des Staates in der Region. Das Konzept der »Minga« beschreibt den unter anderem bei indigenen Gemeinden traditionellen gemeinsamen Arbeitseinsatz aller Bewohner, aber auch Protestaktionen.

Der Schritt sei notwendig, da die Attentate vom Wochenende einen »direkten Angriff, nicht nur auf die getöteten Personen, sondern auf die gesamte ›Guardia Indígena‹ und die indigenen Gemeinden, die den Interessen der Drogenhändler und traditionellen Mächten der Oligarchie im Weg stehen«, darstelle. Während der »Minga« solle nun über wirksame Schutzmaßnahmen der Bevölkerung in der Region diskutiert werden. Dazu gehöre auch die Forderung, dass die Regierung endlich die von ihr nach vergangenen Protesten gemachten Zugeständnisse umsetze.

Das Departamento Cauca ist die kolumbianische Region mit den meisten ermordeten sozialen Aktivisten und Indigenen. Seit dem Regierungsantritt des rechten Präsidenten Iván Duque vor einem Jahr sind die Zahlen noch einmal deutlich gestiegen. Daher rief am Samstag auch der Vertreter des UN-Hochkommissars für Menschenrechte in Kolumbien, Alberto Brunori, die Regierung zu effektiven Schutzmaßnahmen gerade für die Angehörigen des Volks der Nasa auf. Im bisherigen Verlauf des Jahres 2019 seien im Norden des Cauca »nach Kenntnissen des Büros 36 Nasa ermordet worden«. Hinzu kämen »etwa 53 Todesdrohungen und acht Attentate«.

Nachdem die damalige Guerilla FARC-EP und die kolumbianische Regierung mit der Unterschrift des Friedensvertrags den bewaffneten Konflikt offiziell für beendet erklärten hatten, stieg die Anzahl an ermordeten Linken im Land. Laut am 25. Juli veröffentlichten Zahlen des »Instituts für Entwicklung und Frieden« (Indepaz) wurden im Zeitraum zwischen November 2016 und 20. Juli 2019 insgesamt 627 soziale Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger umgebracht.

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