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Aus: Ausgabe vom 14.08.2019, Seite 5 / Inland
Sanierung

Verdi-Forderungen an Karstadt-Kaufhof

Kommissionen fordern Rückkehr in Flächentarifvertrag. Konzern droht mit elfprozentiger Lohnsenkung
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Demonstranten auf der Kundgebung zur Tarifrunde im Einzelhandel in Stuttgart (7.6.2019)

Im Streit über die Tarifbindung der Bezahlung der Beschäftigten beim neuen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) Bedingungen für die Aufnahme von Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag gestellt. Die eigenständigen Tarifkommissionen von Karstadt Warenhaus, Galeria Kaufhof sowie von Karstadt Sports und Karstadt Feinkost haben sich am Dienstag mit der Gewerkschaft auf Forderungen geeinigt, um mit dem Unternehmen Verhandlungen aufzunehmen.

An erster Stelle steht dabei die Bedingung, dass das Unternehmen sich verbindlich zur Rückkehr in den existierenden Flächentarifvertrag bekennen muss. »Eine dauerhafte Absenkung nach Ablauf eines Sanierungstarifvertrags oder einen ›Warenhaus-Tarifvertrag‹ lehnen wir ab«, sagte Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter von Verdi im Einzelhandel. Die Beschäftigten haben aufgrund des Vertrags in den vergangenen Jahren auf Tariferhöhungen sowie auf Teile des Weihnachts- und Urlaubsgeldes verzichtet, damit sich die Firmen sanieren konnten. Ihre Entgelte liegen zurzeit über 14,4 Prozent unter denen des Flächentarifvertrags. »Die Beschäftigten lassen sich nicht einfach die Pistole auf die Brust setzen. Und sie wollen wissen, dass sich ihre Investitionen in das Unternehmen auch auszahlen«, so Akman weiter.

Verdi verlangt Standort- und Beschäftigungsgarantien sowie Investitionszusagen von Warenhaus-Eigentümer René Benko. Einen Eingriff in die aktuellen Vergütungen der Kaufhof-Beschäftigten lehnt die Gewerkschaft dagegen ab und fordert statt dessen deutliche Tarifsteigerungen für die Karstadt-Mitarbeiter. Eine tarifliche Lösung soll außerdem nicht nur für Kaufhof und Karstadt gelten, sondern auch für die Tochterunternehmen Karstadt Sports und Karstadt Feinkost. »Für alle vier Unternehmenssparten muss ein Konzept unter Beteiligung und Mitwirkung der Beschäftigten und von externem Sachverstand entwickelt werden. Der Eigentümer verpflichtet sich zu konkreten Investitionssummen«, fordern die Tarifkommissionen. Verhandeln wollen sie zudem einen Tarifvertrag »Gute Arbeit«, mit Mindestbesetzungsquoten in den Filialen und Abteilungen, heißt es in einer Pressemitteilung von Verdi. Dabei dürfe die Mindestbesetzung nicht zur Regelbesetzung werden.

Die Führungsspitze von Karstadt-Kaufhof hatte dagegen erst vor kurzem die Forderung nach einem auf »die speziellen Bedürfnisse der Warenhäuser zugeschnittenen gemeinsamen Warenhaustarifvertrag« bekräftigt. Sie dringt auf eine rasche Angleichung der Bezahlung bei Kaufhof und Karstadt, was konkret mehr Geld für Karstadt-Beschäftige, aber weniger für Kaufhof-Mitarbeiter bedeuten würde.

Die Fusion zu Galeria Karstadt Kaufhof ging mit Plänen einher, Arbeitsplätze zu vernichten. Konzernchef Stephan Fanderl hatte im Januar angekündigt, dass allein bei Kaufhof rund 2.600 Vollzeitstellen vor allem in der Verwaltung gestrichen werden sollen. Erst am 5. August hat der Warenhauskonzern zwei Logistikstandorte in Frechen und Erfurt sowie vier regionale Verteilzentren in Stuttgart, Würzburg, Hannover und Berlin geschlossen. Dabei gehen laut Verdi rund 1.100 Stellen verloren.

Sollte es nicht zur Einigung mit Verdi kommen, droht die Konzernspitze mit einem rechtlichen Zusammenschluss der Unternehmen, so dass der Karstadt-Sanierungstarifvertrag für alle Mitarbeiter gelten würde. Das würde automatisch eine rund elfprozentige Entgeltabsenkung für alle Kaufhof-Mitarbeiter bewirken, so der Konzern. (dpa/jW)

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