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Aus: Ausgabe vom 13.08.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Riace mahnt

Dok 5 | So., 11.05 Uhr, WDR 5
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Keine Probleme mit Migranten: Eine Zeitlang zog das kalabrische Städtchen Riace Touristen aus aller Welt an, die das »Dorf der Gastfreundschaft« bestaunen wollten

1998 kamen in der kalabrischen Ortschaft Riace die ersten Flüchtlinge an, aus Kurdistan. Was tun? Kurzerhand brachte man sie mitten unter sich in einem leerstehenden Haus unter. Davon gab es genug, schließlich hatten viele Einheimische die wirtschaftlich abgehängte Region verlassen, um in Norditalien oder im Ausland ihr Glück zu versuchen. Bürgermeister Domenico Lucano sah keinen Sinn darin, die Schutzsuchenden mit staatlichen Hilfsmitteln nur auszuhalten und ruhigzustellen. Statt dessen investierte er in die Infrastruktur, schuf Arbeitsplätze. Ein Wunder geschah: Riace blühte auf, sogar das traditionelle Handwerk wurde dank der Migranten wieder zum Leben erweckt. Doch damit ist es heute vorbei. Aureliana Sorrento schildert in ihrem Feature »Riace im Visier der Lega«, wie Lucano unter anderem wegen »Zweckentfremdung öffentlicher Mittel« der Prozess gemacht wurde. Heute darf er das einstige »Dorf der Gastfreundschaft«, in dem es trostlos ist wie ehedem, nicht einmal mehr betreten. (jt)

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