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Aus: Ausgabe vom 13.08.2019, Seite 8 / Ansichten

Sarrazin des Tages: Joe Weingarten

Von Simon Zeise
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In der SPD lassen sie wirklich jeden ran. Nachdem sich Andrea Nahles dazu entschieden hatte, lieber Pony reiten zu gehen als die Partei zu führen, bietet die »alte Dame« ihr letztes Aufgebot. Als Nachrücker für Nahles’ Bundestagsmandat steht Joe Weingarten auf dem Zettel. Da er nur auf Platz zwölf der rheinland-pfälzischen Landesliste gelandet war, schien Berlin in weiter Ferne. Erst durch Nahles’ Rückzug, weil Katarina Barley ins EU-Parlament floh und der vorgesehene Nachrücker Carsten Kühl dankend ablehnte, kam Weingarten an die Reihe.

Er ist einer vom Schlage Thilo Sarrazins. Genau so hat er sich auf den Bänken der Ministerialbürokratie nach oben gefaulenzt. In den 90ern war er Geschäftsführer der Landesgartenschau Kaiserslautern, weiter ging es in die Mainzer Staatskanzlei. Seit 2010 ist er Abteilungsleiter im von der FDP geführten Landeswirtschaftsministerium. »Ich bin seit 41 Jahren in der SPD und stehe dort für eine pragmatische und wirtschaftsfreundliche Politik, zu der auch die Einhaltung von Recht und Ordnung gehören«, zitierte ihn die Berliner Zeitung am Montag.

Und wie Sarrazin ist er ein primitiver Verfechter weißer Vorherrschaft. So meint Weingarten drei Gruppen von Flüchtlingen erkannt zu haben: »Asylsuchende«, die Deutschland aus humanitären und völkerrechtlichen Gründen aufnehmen müsse. Hinzu kämen »Arbeitssuchende«, die meist keine ausreichende Qualifikation hätten, und dann noch eine Gruppe, die Weingarten als »Gesindel« bezeichnete. Zwar sei dieser Ausdruck »grenzwertig«. Im Stil eines Schreibtischtäters fügte er dann aber hinzu: »Ich hätte auch von gewaltaffinen soziologischen Randgruppen sprechen können. Das hätte dann aber niemand verstanden.« Er stelle sich die Frage, »ob in der SPD noch Platz für Vertreter dieser Denkrichtung ist«. Die Sozialdemokraten werden sich entscheiden müssen, ob sie zur Resterampe für Rassisten werden wollen.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Roland Winkler, Aue: Spannende Frage »Auf zum letzten Gefecht …«, wird in den Reihen der SPD wohl noch heute gelegentlich inbrünstig gesungen. Vielleicht auch, als kürzlich das Jubiläum der SPD-Gründung gefeiert wurde. Einen selbst annäh...

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