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Aus: Ausgabe vom 08.08.2019, Seite 15 / Medien
Axel Springer

Fuß in der Tür

KKR bereitet die Übernahme von Axel Springer vor. US-Finanzinvestor will digitales Medienimperium aufbauen
Von Gerrit Hoekman
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Die Leser können beruhigt sein: Auch unter KKR dürfte Springers Kloakenjournalismus derselbe bleiben

Der US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) hält inzwischen 27,8 Prozent der Anteile bei Axel Springer. Das teilte der Medienkonzern am Mittwoch in Berlin mit. Damit hat KKR die Schwelle für ein Übernahmeangebot überschritten, die bei 20 Prozent der Anteile liegt. Die deutschen Kartellbehörden müssen aber noch grünes Licht geben.

»Dies ist ein wichtiger Meilenstein für unsere geplante strategische Partnerschaft mit KKR. Wir werden so zusätzliche Chancen nutzen können und unsere Wachstums- und Investitionsstrategie beschleunigen«, jubelte Springer-Chef Mathias Döpfner in der Presseerklärung. Er selbst wird seine 2,8 Prozent ebenso behalten wie Friede Springer ihre 42,6 Prozent. Außerdem soll Friede Springer ein Vetorecht erhalten.

KKR, das angeblich ein Vermögen von fast 200 Milliarden Dollar verwaltet, kauft angeknackste Unternehmen, bringt sie wieder »in die Spur« und veräußert sie dann im Idealfall mit Gewinn. In Deutschland vor Jahren zum Beispiel Autoteile Unger oder das Kommunikationsunternehmen Versatel. Glasfaser, Gabelstapler oder Gasdruckfedern – die Branche ist KKR komplett egal. Für angeblich 61,2 Millionen Euro kaufte sich der Investor 2014 sogar beim Fußballbundesligisten Hertha BSC Berlin ein, 2018 erwarb der Verein alle Anteile zurück. Das Unternehmen kennt nur eine Maxime: Hauptsache die Rendite stimmt (siehe jW vom 18.07.). Im Schnitt dauert das Investment nur zwischen sechs und sieben Jahre. Ein probates Mittel, das Ziel zu erreichen, ist, ihm Teile der Belegschaft zu entlassen. 1999 kaufte es die Telekommunikationssparte bei Bosch, benannte sie in Tenovis um und schickte nach und nach 40 Prozent der Beschäftigten nach Hause.

Hinter dem Engagement bei Springer scheint eine ähnliche Strategie zu stecken. »KKR will unter Führung des Medienmanagers Fred Kogel (ehemals Constantin und ZDF) ein unabhängiges Fernseh- und Filmproduktions- und Vertriebsunternehmen für den deutschsprachigen Raum aufbauen«, vermutete das Handelsblatt am 25. Februar online. In diesem Jahr hat man sich bereits drei Medienunternehmen einverleibt. Im Februar kaufte das Investmentbüro von RTL die Universum Film. Ein hübscher Fischzug, denn die ehemalige RTL-Tochter hält die Rechte an geschätzten 3.700 Filmen. Nur wenige Tage später übernahmen die New Yorker die Tele München Gruppe (TMG) und damit auch die Sender RTL 2 und Tele 5. Nicht unbedingt Garanten für Qualitätsfernsehen, aber allemal gut genug als Brückenkopf auf dem deutschen Fernsehmarkt. Im März dann der nächste Coup: Die Amerikaner kauften dem reichen Immobilienbesitzer Günter Jauch seine Produktionsfirma »i&u TV« ab. Jauch produziert eine Reihe der populärsten Formate im deutschen Fernsehen: »Stern TV«, »Ultimative Chartshow« oder den Jahresrückblick »Menschen, Bilder, Emotionen«. Jauch soll auch nach dem Verkauf weiter als Berater und Showmaster zur Verfügung stehen.

Mit dem Springer-Verlag bekommt KKR nun möglicherweise auch auf dem Printmarkt einen Fuß in die Tür. Es heißt, der Investor wolle die Aktivitäten des Verlags noch mehr ins Internet verlagern. »Audiovisuelle Inhalteplattform«, heißt das Zauberwort. »Diese Plattform soll die komplette Wertschöpfungskette bedienen, also von der Produktion bis hin zur Lizenzierung und Distribution«, erklärte das Internetmedienmagazin DWDL am 21. Februar das Konzept. Dass die Wahl auf Springer fällt, ist kein Zufall. »Wie kaum ein anderes Medienunternehmen hierzulande treibt der M-Dax-Konzern seit Jahren seine Modernisierung voran: Weg vom traditionellen Pressewesen, hin zu digitalen Geschäftsmodellen, nicht nur im eigenen Lande, sondern weltweit«, analysierte das Manager-Magazin am Montag online. 87 Prozent seines Gewinns soll der Verlag inzwischen angeblich über das digitale Geschäft machen.

»Wichtig wird für KKR aber wohl vor allem sein, die TMG-Bilanzen aufzupolieren, damit man den Konzern irgendwann mit einem satten Gewinn wieder verkaufen kann. Das ist das Wesen eines Finanzinvestors«, vermutet DWDL. Deshalb befürchten Gewerkschafter Entlassungen. Auch weil KKR den einen oder anderen Zeitungstitel aus dem Hause Springer aufgeben könnte. Besonders die Verluste einfahrende Welt müsse sich nach der Decke strecken, heißt es. Zwar erklärte der Springer-Verlag die Tageszeitung als »nicht verhandelbar«, wie das Manager-Magazin am vergangenen Freitag berichtete, und in einem Brief an die besorgten Mitarbeiter der Unternehmenssparte News Media National vom 31. Juli heißt es, es gebe »faktisch eine Bestandsgarantie« – aber ob das auch noch gilt, wenn sich KKR von der Welt nicht weiter die Bilanz verhageln lassen will?

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