Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 08.08.2019, Seite 12 / Thema
Geschichte

Roter Stern über Wien

Nach 1945 prägte die Sowjetunion zehn Jahre lang die Politik im Osten Österreichs
Von Christian Kaserer
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Bei der Schlacht um Wien starben im März und April 1945 ca. 17.000 sowjetische Soldaten – das Heldendenkmal der Roten Armee am Schwarzenbergplatz im Zentrum von Wien

Prominent und weithin sichtbar prangt bis heute das Wappen der Sowjetunion auf dem vergoldeten Schild eines Sowjetsoldaten mitten in der Wiener Innenstadt. Das sogenannte Russendenkmal am südlichen Teil des Schwarzenbergplatzes – früher Stalinplatz genannt – ist das wohl bekannteste Überbleibsel der sowjetischen Besatzungszeit in Österreich. Weitere Spuren im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung haben die zehn Jahre von 1945 bis 1955, in denen Österreich von den alliierten Streikräften der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion besetzt war, allerdings kaum hinterlassen. Wenn überhaupt, so sind wohl noch die gängigen auf »die Russen« gemünzten Klischees von Diebstahl, Entführung und Vergewaltigung in den Köpfen der Menschen präsent. Vorfälle dieser Art gab es, doch eben nicht wie oft behauptet nur in der Sowjetischen Besatzungszone, sondern in allen vier Zonen. Eine sachliche Beschäftigung mit der Besatzungszeit, insbesondere der sowjetischen, findet bis heute nur vereinzelt statt. Zu stark ist der Mythos von Österreich als dem »ersten Opfer Hitlers« noch gegenwärtig, und so gilt die Besatzungszeit lediglich als eine weitere tragische Episode in der Unterdrückung des Landes. Dabei gibt es über diese Dekade, ihr Zustandekommen und ihr Erbe durchaus mehr zu berichten, als die vielfach erzählten grauen und traurigen Geschichten.

Als am 16. März 1945 der Angriff der Roten Armee zur Befreiung Wiens begann, war das Schicksal Österreichs von den Alliierten in seinen Grundzügen bereits festgelegt worden. Gemäß der Ende 1943 veröffentlichten »Moskauer Deklaration« wurde der Anschluss Österreichs an Nazideutschland als »typische Angriffspolitik Hitlers« betrachtet. Die Souveränität des Landes sollte wiederhergestellt werden. Erinnert wurde bereits 1943 aber auch daran, dass Österreich eine Mitverantwortung am Zweiten Weltkrieg trage und überdies einen Beitrag zu seiner Befreiung zu leisten habe. Diese Forderung erfüllte insbesondere die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ), die während der ersten Republik zwar nur eine marginale Rolle gespielt hatte, im Widerstand gegen den Austrofaschismus und später gegen den Nazifaschismus allerdings einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs verzeichnete und schließlich im Kampf um die Befreiung des Landes Tausende Mitglieder verlor.

Provisorische Regierung

Am 27. April 1945, zwei Wochen nach der erfolgreichen Eroberung Wiens durch die Rote Armee, verkündete die »Provisorische Staatsregierung Renner« die Wiedererrichtung der Republik Österreich und damit faktisch die Unabhängigkeit vom Deutschen Reich. Staatskanzler wurde der Sozialdemokrat Karl Renner, der dieses Amt bereits in der ersten Republik für mehrere Jahre innegehabt hatte und schon damals wesentlich an der Entstehung der ersten bürgerlich-parlamentarischen Demokratie nach dem Ende des Habsburgerreiches beteiligt gewesen war. Seine drei Staatssekretäre wurden Leopold Figl von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), Adolf Schärf von der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) sowie Johann Koplenig von der KPÖ.

Sowohl die Bildung der Allparteienregierung als auch die Unabhängigkeitserklärung Österreichs erfolgte in intensiver Absprache mit der Sowjetunion und Stalin persönlich, was bei den Westalliierten für erhebliche Missstimmung sorgte. Man vermutete gar eine Kollaboration mit Stalin und befürchtete, dass Österreich »kommunistisch« werden könnte. Betrachtet man die Biographien Renners und Figls, erweisen sich solche Ängste allerdings als vollkommen unbegründet. Renner hatte innerhalb der Sozialdemokraten schon 1918 zu den Befürwortern eines Anschlusses an Deutschland gezählt und sich im April 1938, wenige Tage vor der von den Nazis inszenierten Volksabstimmung, die den Einmarsch deutscher Truppen und den Anschluss der »Ostmark« an das Deutsche Reich nachträglich legitimieren sollte, in einem Interview mit dem Neuen Wiener Tagblatt sogar öffentlich für ein »Ja« ausgesprochen. Leopold Figl wiederum hatte zwar im KZ gesessen, allerdings als Funktionär des austrofaschistischen Ständestaates; er hatte eine Landesabteilung der paramilitärischen Organisation »Ostmärkische Sturmscharen« geleitet. Einer wie auch immer gearteten kommunistischen Gesinnung waren beide also äußert fern.

Nach der Kapitulation Hitlerdeutschlands am 8. Mai 1945 wurde Österreich – ähnlich wie das ehemalige Deutsche Reich – in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Das Burgenland, Niederösterreich und die östlichen Teile Oberösterreichs zählten fortan zum sowjetischen, Salzburg und das übrige Oberösterreich zum amerikanischen, die Steiermark, Kärnten und Osttirol zum britischen und Nordtirol und Vorarlberg zum französischen Sektor. Die Hauptstadt Wien wurde ebenfalls unter den vier Besatzungsmächten aufgeteilt. Allerdings waren die Übergänge zwischen den einzelnen Zonen in Österreich fließender als in Deutschland.

Da die drei westalliierten Mächte der provisorischen Staatsregierung Renner zunächst die Anerkennung verweigert hatten, beschränkte sich deren faktische Macht einzig auf die sowjetische Zone, also den Osten des Landes. Erst nach mehreren Monaten intensiver Gespräche und einer Länderkonferenz in Wien erhielt Renners Dreiparteienregierung am 19. Oktober 1945 die Anerkennung im gesamten Staatsgebiet. Bestimmen konnte sie freilich nicht nach Gutdünken. Sie musste ihre Beschlüsse und Gesetze, der »Alliierten Kommission für Österreich« vorlegen, die ein Veto einlegen konnte.

Die Kommission traf zu diesem Zeitpunkt bereits Vorkehrungen für die ersten freien Wahlen der zweiten Republik. Diese fanden am 25. November 1945 statt. Aus ihnen ging die ÖVP mit 49,8 Prozent der abgegebenen Stimmen als klare Siegerin hervor. Ihr folgten die SPÖ mit 44,6 und die KPÖ mit 5,42 Prozent. Damit war der Weg in die Zweiteilung des Landes für die folgenden zehn Jahre bis hin zur vollständigen Unabhängigkeit geebnet.

Österreich beschritt nach dem Zweiten Weltkrieg in vielerlei Hinsicht einen Sonderweg. Nicht nur, weil im Gegensatz zu Deutschland die staatliche Einheit bewahrt und eine vollständige Unabhängigkeit angestrebt wurde, sondern ebenso, weil die Industrieanlagen nur in ganz wenigen Fällen als Reparationsleistungen für den deutschen Angriffskrieg demontiert und außer Landes gebracht wurden. Über das »deutsche Eigentum«, so laut der Potsdamer Konferenz die Bezeichnung für Betriebe mit einer Mindestbeteiligung des ehemaligen Deutschen Reichs von mehr als zehn Prozent, konnten die Alliierten nach ihrem Gusto bestimmen. Während die Westalliierten von der Regierung eine Verstaatlichung verlangten und auch durchsetzen konnten, gründete die Sowjetunion die »Verwaltung des sowjetischen Eigentums in Österreich«, gemäß der russischen Bezeichnung kurz USIA genannt. In diesem Verbund waren insgesamt 263 Unternehmen versammelt, in denen in Spitzenzeiten 52.800 Menschen arbeiteten, wobei ein Gutteil der Gewinne nicht im Land verblieb, sondern in die Sowjetunion floss. Teil der USIA waren unter anderem die Österreichischen Zweige der »Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft« (AEG) und des Leuchtmittelproduzenten »Osram«, die »Donaudampfschiffahrtsgesellschaft«, die »Österreichische Automobil Fabriks-AG« und die »Rosenhügel-Filmstudios« im 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing.

Rote »Marshallhilfe«

In 126 Einzelhandelsgeschäften wurden überdies Produkte aus den USIA-Betrieben sowie den sozialistischen Ländern verkauft. Neben Lebensmitteln handelte es sich dabei überwiegend um Spirituosen, Tabakwaren und Wäsche. Da die Preise hierfür oft deutlich unter dem üblichen Niveau lagen, beklagten österreichische Firmen bald die missliebige Konkurrenz. Während konservative Medien und die Westmächte behaupteten, ein Einkauf in den sowjetischen Einzelhandelsgeschäften schade der regionalen Wirtschaft, bezeichneten die Sowjets die Läden als »Marshallhilfe für den kleinen Mann«.

Zu den wichtigsten Einnahmequellen des Staates zählte allerdings das Öl, welches in Niederösterreich gefördert wurde. Nachdem die österreichische Regierung aufgrund von Interventionen der USA eine gemeinsame sowjetisch-österreichische Ölgesellschaft abgelehnt hatte, wurde zur Förderung und Weiterverarbeitung der Vorkommen die »Sowjetische Mineralölverwaltung«, kurz SMV, gegründet, die jedoch nicht zur Struktur der USIA gehörte. Zum Schutz vor Sabotageaktionen organisierte man in der SMV einen eigenen Werkschutz, der von antikommunistischer Seite als »kommunistische Privatarmee« bezeichnet wurde. Den Vertrieb der Erdölprodukte über Tankstellen übernahm die »Handelsaktiengesellschaft für Erdölprodukte österreichischer und russischer Provenienz« (OROP).

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Wachablösung auf dem Wiener Heldenplatz am 31. Juli 1955, dem Tag des Inkrafttretens des Österreichischen Staatsvertrags, mit dem die Alpenrepublik unabhängig wurde

Geführt wurden die sowjetischen Industriebetriebe wie jedes andere kapitalistische Unternehmen auch. Die Gewinne dienten als Reparationsleistungen. Dennoch gab es bedeutende Unterschiede. Die Arbeiter und Angestellten in den sowjetischen Betriebe waren in den meisten Fällen nicht nur gewerkschaftlich gut organisiert und erfreuten sich vergleichsweise hoher Löhne, auch Betriebskindergärten, Wohnstätten und Bildungseinrichtungen gehörten zu den Vorzügen der sowjetisch geführten Betriebe. 1950, als die sogenannten Oktoberstreiks gegen die von Regierung, Industrie und Gewerkschaften vereinbarten Preiserhöhungen im Handel das gesamte Land kurzzeitig lahmlegten, waren es gerade diese Firmen, in denen der Widerstand besonders stark war.

»Russische Stunde«

Von Beginn an richteten die sowjetischen Vertreter in Österreich ihr Augenmerk auf die Medien. Noch im April 1945 wurde in Wien die Österreichische Zeitung herausgegeben. Ziel des »Organs der Roten Armee für die österreichische Bevölkerung« war es, die Menschen vornehmlich der Hauptstadt über den weiteren für die Rote Armee erfolgreichen Kriegsverlauf zu informieren sowie ihnen die von den Nazis und später dann auch den Westalliierten geschürte antikommunistische Angst vor der »sowjetischen Barbarei« zu nehmen. Dementsprechend druckte die Zeitung nicht nur Berichte von der Front, sondern zeigte auch die alltäglichen Seiten der sowjetischen Besatzung: Rotarmisten bei einem Besuch im Zoo oder beim Schachspielen. Mit sowjetischer Billigung entstand ebenfalls schon im April 1945 die Zeitung Neues Österreich. Herausgegeben wurde das »Organ der demokratischen Einigung« von den drei staatstragenden Parteien SPÖ, ÖVP und KPÖ, wobei der Kommunist Ernst Fischer in den ersten beiden Jahren das Amt des Chefredakteurs bekleidete.

Auch die Westalliierten gründeten sofort Zeitungen. Während britische und französische Druckwerke allerdings nur kurzzeitig erfolgreich waren und bald wieder eingestellt wurden, erwiesen sich amerikanische Gründungen als langlebiger, so die Salzburger Nachrichten, die Oberösterreichischen Nachrichten sowie die Tiroler Tageszeitung und der Wiener Kurier. Sie wurden binnen kurzer Zeit an den US-Amerikanern politisch genehme Personen verkauft und zählen bis heute zu den in den jeweiligen Bundesländern auflagenstärksten Printmedien.

Zu den erfolgreichsten Projekten der Sowjetunion im österreichischen Medienwesen zählt die mit Unterstützung der KPÖ gegründete Parteizeitung Österreichische Volksstimme, die als Volksstimme bis 1991 erschien und heute als politisches Monatsmagazin herausgegeben wird. Zwar war das Blatt bereits zu Beginn scharfen Anfeindungen ausgesetzt, doch konnte es sich als relevante Stimme in der Presselandschaft etablieren und diese Position auch über mehrere Jahrzehnte hinweg behaupten. So berichtete die Volksstimme als einzige Zeitung detailliert über die Hilfeleistungen der Sowjetunion gegenüber den Wienern in Form von Lebensmittellieferungen, während die übrige Presse diesen Hilfen aus dem Ausland kaum oder überhaupt keine Beachtung schenkte oder sie als »Erbsenspende« verunglimpfte. Volksstimme und Österreichische Zeitung blieben die beiden hauptsächlichen Druckorgane unter sowjetischer Oberhoheit in Österreich und waren folglich auch die einzigen, welche kritisch über die Marshallplanhilfen für das Land berichteten und vor einer erzwungen Westbindung warnten.

Natürlich blieb die Presse nicht das einzige Medium, welches für Propagandazwecke von allen Seiten benutzt wurde. Während die Amerikaner den Sender Rot-Weiß-Rot, benannt nach den Farben der österreichischen Flagge, gründeten, übernahmen die Sowjets die Kontrolle über die in Wien ansässige »Radio Verkehrs AG« (Ravag), der Vorgängerin des heutigen Österreichischen Rundfunks (ORF). Zentrales Rundfunkmedium wurde Radio Wien, wo zunächst sowjetische Journalisten und Vertreter der KPÖ den Ton angaben. Hier informierte die »Russische Stunde« mit bis zu 16 Stunden in der Woche über Politik, Geschichte und Kultur der Sowjetunion.

Kultur für die Massen

Den wohl nachhaltigsten Einfluss übte die Sowjetunion während der zehnjährigen Besatzungszeit auf dem Feld der Kultur. So war es der Besatzungsmacht im Bunde mit der KPÖ ein Anliegen, Kunst und Kultur als »Volkskunst« insbesondere proletarischen und bäuerlichen Schichten zugänglich zu machen. Dafür wurden öffentliche Feste in Wien und auf dem Land veranstaltet, bei denen beispielsweise klassische Musik aufgeführt und erklärt wurde. Wandertheatergruppen zogen durch die sowjetische Zone, und auch sowjetische Filme erfreuten sich in den Kinos einer gewissen Beliebtheit. Sogar Filmfestivals wurden veranstaltet. Mit der Massenkultur Hollywoods konnten die sowjetischen Streifen allerdings kaum mithalten, und die Praktiken der Amerikaner machten es der UdSSR zunehmend schwer aufzuholen. Einspielergebnisse amerikanischer Filme nämlich wurden in Österreich reinvestiert, und man errichtete mit dem Geld Kinos in den Westsektoren Wiens, in denen Hollywoodfilme mehr als die Hälfte des Programms ausmachten. Während gerade wegen der amerikanischen und deutschen Importe der österreichische Film darniederlag, entschied man sich in der sowjetischen Besatzungszone dafür, den USIA-Betrieb Rosenhügel-Filmstudios zu subventionieren, womit man die Wiederbelebung des heute durchaus erfolgreichen österreichischen Films in Gang setzte.

Neben der Finanzierung der Filmproduktion wurde auch der Wiederaufbau der Wiener Staatsoper mit einer Millionenspende der Sowjetunion bezahlt, und das durch sie in Wien ermöglichte »Neue Theater in der Scala« wurde als selbstverwaltetes Schauspielertheater eine der wichtigsten Bühnen der Zeit. Die Scala tat sich besonders dadurch hervor, nicht wie andere Theater in einer monarchischen Tradition zu stehen, sondern neue, unbekannte und auch provokante Stücke zu spielen. Das rief natürlich Kritiker auf den Plan, und so verriss das konservative Feuilleton Aufführung um Aufführung. 1950 reüssierte Brecht mit seiner Bearbeitung des »Hofmeisters« von Jakob Michael Reinhold Lenz an der Scala. So lernte das Wiener Publikum erstmals den bis dahin wenig bekannten Schriftsteller näher kennen. Ab 1954 forcierten die beiden Publizisten Hans Weigel und Friedrich Torberg mit ihrer von der CIA finanzierten Zeitschrift Forum. Österreichische Monatsblätter für kulturelle Freiheit einen zehn Jahre währenden Brecht-Boykott, gegen den sich einzig das Scala-Theater wehrte.

Auch der zur KPÖ gehörende Globus-Verlag wurde mit Hilfe der sowjetischen Besatzer gegründet. Ebenso wie die Volksstimme etablierte er sich als Alternative zu den sonst zumeist eher konservativen Verlagen. Noch lange nach der Besatzungszeit fanden heute bekannte Autoren wie Erich Hackl oder Elfriede Jelinek hier erste Publikationsmöglichkeiten.

Was blieb

Ab 1953 zeichnete sich das Zustandekommen des Österreichischen Staatsvertrags ab. Die Kontrollen zwischen den Sektoren wurden weiter gelockert, Identitätskarten waren nicht mehr nötig, und ein einheitlicher Reisepass wurde eingeführt. Die primäre Bedingung der Sowjetunion für die vollständige Souveränität des Staates Österreich war allerdings die Erklärung der immerwährenden Neutralität. Österreich sollte weder der NATO noch dem Warschauer Vertrag und auch sonst keinem Bündnis beitreten. Nachdem sowohl die Regierung als auch die Westalliierten dieser Bedingung zugestimmt hatten, kam es am 15. Mai 1955 zur Unterzeichnung des Staatsvertrags, der Österreichs Souveränität vollständig wiederherstellte. Daraufhin wurden sämtliche alliierten Truppen abgezogen. Die USIA-Betriebe und alle anderen sowjetischen Betriebe wurden dem neuen Staat übergeben und bildeten fortan einen bedeutenden Teil der staatlichen Industrie.

Nachdem die KPÖ 1959 aus dem Parlament geflogen war, verringerte sich der sowjetische Einfluss in Österreich auf ein Minimum. Heute ist die Besatzungszeit weitgehend aus der öffentlichen Erinnerung verschwunden. Geblieben ist, zumindest auf den ersten Blick, nicht viel mehr als das Denkmal am Schwarzenbergplatz, das wie Hunderte andere Anlagen im ganzen Land gemäß dem Staatsvertrag von seiten des Staates als Erbe der Besatzungszeit gepflegt und erhalten werden muss.

Christian Kaserer schrieb an dieser Stelle zuletzt am 19. Juni 2019 über die Baupolitik im Roten Wien der 1920er Jahre.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Erich Hackl: Wo Kaserer irrt Christian Kaserer irrt, wenn er meint, dass ich im KPÖ-eigenen Globus-Verlag »erste Publikationsmöglichkeiten« gefunden hätte. Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass dort je ein oder mehrere Texte von...
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