Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 08.08.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Konkurrenzkampf

Erdgas aus Ost oder Nord?

»Eastmed« und »Nord Stream 2« konkurrieren um den Energiemarkt der EU
Von Efthymis Angeloudis
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Flüssiggas wird am Elbehafen in Brunsbüttel in einen Kesselwaggon gefüllt (25.4.2016)

Die Regierung in Athen mag sich zwar nach den Wahlen am 7. Juli geändert haben, doch das außenpolitische Dogma, das Griechenland in den letzten Jahren verfolgt, ändert sich dadurch nicht. Die Konferenz der Energieminister Griechenlands, Zyperns, Israels und der USA, die am Mittwoch in Athen stattgefunden hat, sollte die Entwicklung der »Eastern Mediterranean Pipeline Projekt« (Eastmed) vorantreiben, die Erdgas aus den reichen Vorkommen des östlichen Mittelmeers über Zypern und Griechenland nach Italien befördern soll. Die neue griechische Regierung bekräftigt damit die Annäherung an Israel und bietet Washington die Chance, eine Alternative zur heiß umkämpften Ostsee-Pipeline »Nord Stream 2« zu präsentieren.

Erst letzte Woche verabschiedete der Auswärtige Ausschuss des US-Senats einen Gesetzentwurf, mit dem sich die USA für den »Schutz der Energiesicherheit Europas« (Protecting Europe’s Energy Security Act) zuständig erklären. Kernpunkt sind Sanktionsdrohungen gegen Unternehmen aus Europa, die Röhren für die Pipelineprojekte »Nord Stream 2« und »Turkish Stream« verlegen. Nun kann die US-Regierung die Gasimporte aus Russland nicht einfach verbieten, ohne für eine, wenigstens zukünftig, brauchbare Alternative zu sorgen. Die Einfuhren von Flüssiggas aus den USA über die geplanten LNG-Terminals in Wilhelmshaven und Brunsbüttel mussten lange Zeit für diesen Zweck herhalten, obwohl nachgewiesen ist, dass Flüssiggasimporte über den Seeweg kostspieliger sind als Pipelinegas. »Eastmed« bietet eben diese Alternative (wenn auch erst nach 2025), mit der die USA russische Erdgasexporte sabotieren und ihre regionalen Verbündeten im östlichen Mittelmeer stärken können.

An der ersten Konferenz nahmen der griechische Energieminister Kostis Hatzidakis, sowie seine Kollegen aus Zypern und Israel, Georgios Lakkotrypis und Yuval Steinitz teil. Außerdem eingeladen war Francis Fannon, US-Staatssekretär für Energie, der sich separat vor der Konferenz mit Hatzidakis getroffen hatte. Laut der griechischen Tageszeitung Kathimerini sollte die Konferenz eine »Botschaft an die Türkei« sein, die »illegalen Erdgasbohrungen« vor der Küste Zyperns sofort zu beenden. Die Botschaft kam wohl nicht an. Gleichzeitig zur Konferenz fuhr Ankara mit seiner Provokationstaktik fort und schickte ein drittes türkisches Forschungsschiff vor die Küste Zyperns. Die »Yavuz« bohre, begleitet von türkischen Kriegsschiffen, bereits in 710 Metern Tiefe, berichteten die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu und der Sender CNN Türk am Mittwoch. Neben der »Yavuz« befinden sich zwei andere türkische Schiffe vor Zypern.

Es bleibt abzuwarten, ob Washington auf die Gefährdung seiner Wahlpipeline seitens Ankaras antwortet. Bei der Eastmed-Konkurrenz »Nord Stream 2« planen die USA bereits die Umsetzung der beschlossenen Sanktionen. Diese zielen besonders auf die Betreiber der Schiffe ab, die die Rohre in der Ostsee verlegen. So könnten etwa Einreiseverbote gegen deren Manager und Hauptaktionäre verhängt werden, ihr etwaiger Besitz in den USA könnte eingefroren werden. Konzerne, die mit dem Projekt zu tun haben, könnten von US-Finanzmärkten weitgehend ausgeschlossen werden.

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