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Aus: Ausgabe vom 08.08.2019, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Wohnungsmarkt

Immobilienblase vor dem Platzen

Studie warnt vor »explosiver Preisentwicklung«. Spekulanten setzen auf steigende Preise
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Wohnungen und Häuser sind in deutschen Städten laut der Bundesbank bis zu 30 Prozent überteuert

Angesichts rasant steigender Mieten und Kaufpreise fürchten selbst marktkonforme Ökonomen eine Immobilienblase in Deutschland. Das Risiko einer spekulativen Übertreibung liege derzeit bei 92 Prozent, schätzte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Die Autoren sprachen von einer »explosiven Preisentwicklung«, die sich von den Immobilienerträgen entkoppelt habe.

Preissteigerungen würden zur Gefahr, wenn Investoren Wohnungen nicht zur eigenen Nutzung kauften, sondern auf höhere Preise setzten und das vornehmlich durch Kredite finanzierten, erklärte Studienautor Konstantin Kholodilin. Hierzulande würden Wohnungskäufe aber weiter relativ solide finanziert. Dennoch dürfe die Politik nicht ihre Hände in den Schoß legen, warnte das DIW: Sie müsse Grundlagen schaffen, um in den Markt einzugreifen.

Ökonomen können die Wahrscheinlichkeit von Preisblasen mit statistischen Modellen und Indikatoren wie das Wachstum der Kreditvergabe, der verfügbaren Einkommen oder Zinsen prognostizieren. Mit Sicherheit ließen sich spekulative Übertreibungen aber nicht vorhersagen, schränkte das DIW ein. Hohe Risiken für Immobilienblasen sahen die Ökonomen vor allem in Skandinavien, den USA und der Schweiz.

Auch die Bundesbank hat mehrfach gewarnt, dass Wohnungen und Häuser in deutschen Städten bis zu 30 Prozent überteuert seien. Übernehmen sich Spekulanten und Käufer mit Schulden, können Kredite bei Banken platzen und zu einem Immobiliencrash führen, wie das bereits 2007 in den USA der Fall war. Durch eine systematische Ausweitung der Kredite auch an Darlehensnehmer mit geringer Bonität (»Subprime-Kredite«) entstand eine erhebliche Nachfrage, die die Immobilienpreise steigen ließ. US- und EU-Banken verloren laut dem Internationalen Währungsfonds in Folge dieser Blase bis zu 2,8 Billionen US-Dollar an sogenannten toxischen Wertpapieren, was wiederum 2008 zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise führte. (dpa/jW)

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