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Aus: Ausgabe vom 07.08.2019, Seite 15 / Antifa
AIB Heft Nummer 123

Abwehrkampf in Ostdeutschland

Antifaschistisches Infoblatt mit Schwerpunkt zur Neonaziszene nach der Maueröffnung
Von Felix Clay
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Für einen »Aufbruch Ost«: Auftaktveranstaltung der Kampagne »Wann wenn nicht jetzt« (Zwickau, 20.7.2019)

Die Redaktion des Antifaschistischen Infoblatts (AIB) hat mit ihrer Sommerausgabe den Schwerpunkt auf die sich mit Beginn der 1990er Jahre in Ostdeutschland organisierende Neonaziszene gelegt. Anlass ist der diesjährige 30. Jahrestag der Maueröffnung, gemeinhin als »Wende« bezeichnet. Mit dem Titel »Ostdeutschland ganz rechts – 1989/90 und die Folgen« bedient das AIB Nummer 123 jedoch das vorherrschende Klischee, wonach vor allem die »neuen Bundesländer« ein flächendeckendes Problem mit einer neuen Generation von Faschisten hatten bzw. haben.

Im Editorial kritisiert die AIB-Redaktion an der gängigen Erzählung von der »Zeitenwende«, dass die sogenannte Wende einen der Grundsteine gelegt habe für den Ausbruch rassistischer und pogromartiger Gewalt während der 90er Jahre auf dem Gebiet der DDR. Im Vergleich zu den westdeutschen Bundesländern werden der AfD in Ostdeutschland in aktuellen Wahlprognosen zwei- bis dreimal so hohe Stimmanteile in Aussicht gestellt. Vor diesem Hintergrund legt das vorliegende AIB-Heft zu Recht den Fokus auf die Entwicklungen in der rechten Szene infolge des Endes der DDR.

Die Thüringer Landtagsabgeordnete und Antifaaktivistin Katharina König-Preuss (Die Linke) schildert in ihrem Gastbeitrag »Klima der Angst – Die 1990er Jahre in Thüringen«, wie nicht die traditionellen rechten Parteien die rassistische Stimmung aufnahmen, »sondern randständige, radikale Neonazigruppen an Einfluss« gewonnen hätten. Diese seien durch das staatliche Jugendprogramm »Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt« zuerst als eigentlich unpolitische Jugendliche dargestellt worden, die im Rahmen von staatlicher Jugendarbeit betreut gehören. Diese entpolitisierte »Betreuung« und Deckung durch örtliche Stellen habe der Abgeordneten zufolge eine faschistische Jugendbewegung in Ostdeutschland gedeihen lassen, die bis heute in kleinstädtischen und dörflichen Regionen hegemonial agieren könne. Für engagierte Antifaschistinnen und Antifaschisten bieten die von König-Preuss in ihrem Artikel aufgeführten Tatsachen und Hintergründe jedoch wenig Neues.

Die Gruppe »Aufbruch Ost!« führt im gleichnamigen Text aus, wie der Abwehrkampf als solcher in den kleinstädtisch geprägten Regionen nicht nachhaltig gewirkt habe. »Es scheint fast so, als ob politische Radikalität zu einer subkulturellen und ästhetischen Kategorie geworden ist«, fürchten die Autoren. Sie fordern daher, »mehr Gesellschaft zu wagen«. »Wir wollen keinen Bogen um kollektive ostdeutsche Erfahrungen machen, sondern diese aufgreifen und mit progressiven linken Ideen in Verbindung bringen. Wir wollen die berechtigte Frustration und Kapitalismusskepsis vieler Ostdeutscher aufgreifen und in Bewegung setzen.« Als Antifaschisten wollen sie mit Menschen außerhalb ihres »Szenehorizontes« ins Gespräch kommen und so langfristig den Rechten das Wasser abgraben.

Mathias Wörsching stellt ein Projekt vor, mit dem die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) heute aktive Nachkommen von Widerstandskämpfern und Verfolgten zur Zeit der faschistischen Herrschaft miteinander vernetzen will. Im »Nachkommennetzwerk Berlin« soll der Austausch über die Frage, wieviel »Traumata und Ängste über die Generationen weitergegeben« wurden und bis heute wirksam sind, ermöglicht werden.

Antifaschistisches Infoblatt, Nr. 123: Ostdeutschland ganz rechts – 1989/90 und die Folgen. 64 Seiten, 3,50 Euro, Bezug: antifainfoblatt.de. Das Heft ist auch über den jW-Shop erhältlich, Telefon 030/53 63 55 37

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