Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 01.08.2019, Seite 5 / Inland
Überstundenvergütung

Gebäudereiniger sind streikbereit

Ende der Friedenspflicht: Sollte nächste Tarifrunde scheitern, ist Gewerkschaft auf Arbeitsniederlegungen vorbereitet
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Ohne sie wirkten die glitzernden Fassaden des Kapitalismus stumpf und heruntergekommen: Fensterputzer im Einsatz

Im Gebäudereinigerhandwerk mit seinen etwa 650.000 Beschäftigten spitzt sich der seit Monaten schwelende Tarifkonflikt zu. Vom heutigen Donnerstag an besteht keine Friedenspflicht mehr, und Warnstreiks sind grundsätzlich möglich, wie das Vorstandsmitglied der IG Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU), Ulrike Laux, am Mittwoch in Frankfurt am Main sagte. Sollte die für den 15. August angesetzte Verhandlung ohne Vorschläge der Unternehmer zu den wichtigen Themen vorübergehen, sei die Gewerkschaft vorbereitet.

Wenn die »Arbeitgeber den Konflikt wollen, werden sie ihn bekommen«, zitierte die Gewerkschaft IG BAU am Mittwoch auf ihrer Internetseite Beschäftigte der Firma Gegenbauer. Sie arbeiten in den »Lounges« genannten Warteräumen der Lufthansa am Frankfurter Flughafen und fordern unter anderem Weihnachtsgeld.

Die IG BAU hatte im vergangenen Jahr vielfache Änderungen des Rahmentarifvertrages verlangt, insbesondere sollten Fachkräfte höher eingestuft und erstmals in der Branche Weihnachtsgelder gezahlt werden. »Wir müssen weg von dem Billigimage und klarmachen, dass sich eine Ausbildung lohnt«, begründete Laux den bislang vergeblichen Vorstoß.

Die Kündigung kam dann aber im April überraschend von der Kapitalseite, nachdem das Bundesarbeitsgericht entschieden hatte, dass Überstundenzuschläge auch Teilzeitkräften zustehen. Im Rahmentarifvertrag für die Gebäudereiniger sind die Zuschläge hingegen erst von der 39. Wochenstunde an vorgesehen, also nur für Vollzeitkräfte. Man sei zur Kündigung gezwungen, hatte der Geschäftsführer des Bundesinnungsverbandes, Johannes Bungart, gesagt. Er kündigte am Mittwoch Vorschläge für die Verhandlung in Frankfurt an. Über das Weihnachtsgeld könne man aber erst im kommenden Jahr im Rahmen des Gehaltstarifvertrags sprechen.

Die BAG-Entscheidung gelte auch für die Gebäudereiniger, sagte die Gewerkschafterin Laux der Deutschen Presseagentur. Seit Januar müsse jede Überstunde mit einem Zuschlag von 25 Prozent bezahlt werden, auch bei den knapp 500.000 Teilzeitkräften inklusive der Minijobber. Dies aber verweigerten die Firmen flächendeckend und setzten statt dessen die Beschäftigten unter Druck, beispielsweise neue Arbeitsverträge zu unterzeichnen.

»Selbst die Businesskunden der Lufthansa haben Verständnis« für eine finanzielle Wertschätzung der Arbeit, heißt es in der Stellungnahme der Gebäudereiniger von Gegenbauer in Frankfurt am Main. Die Beschäftigten sind siegessicher und vernetzen sich gegenwärtig mit den Reinigungskräften aus andern Betrieben am Flughafen. (dpa/jW)

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