Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 31.07.2019, Seite 8 / Ansichten

Anschlussverwendung des Tages: Bernd Lucke

Von Jan Greve
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Bernd Lucke geht zurück an die Uni Hamburg: Was soll man von so einem noch lernen?

Endlich mal wieder in Ruhe Stuss erzählen: Bernd Lucke, der ehemalige Frontmann der AfD, kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Nachdem er seinen Platz im EU-Parlament verloren hat, soll der studierte Volkswirt nun wieder an der Universität Hamburg dozieren. Vielleicht erhofft sich der neoliberale Quälgeist in dieser Funktion weniger Widerworte, als er sie in den vergangenen Jahren von politischen Kontrahenten bekam. Seine aufgeregten Forderungen nach »Lassen Sie mich ausreden« sind einem aus unzähligen Talkshowauftritten noch im Ohr – zumal man weiß, dass er sich mit diesem frommen Wunsch nicht mal in der eigenen Partei hatte durchsetzen können, die ihn in Person von Frauke Petry 2015 abservierte. Es folgte sein Austritt, die nächste Parteigründung und am Ende 0,1 Prozent der Stimmen für Lucke, der bei der EU-Wahl vor gut zwei Monaten als Spitzenkandidat der »Liberal-konservativen Reformer« antrat.

2013 war die Welt noch in Ordnung. Damals wurde Lucke als einer von drei Bundessprechern der AfD gewählt. In der FAZ las man Dinge wie: »Der Ökonomieprofessor spürt die Pflicht, die Welt zu retten.« Schon klar: Wer mit 14 wegen eines »starken antikommunistischen Gefühls in seinem Herzen« in die Junge Union eintritt, hat einen Stein im Brett der Bürgerpresse. Heute weiß Lucke, dass die AfD von »fremdenfeindlichen Leuten« übernommen wurde. Also von jenen Kräften um Alexander Gauland, die er selbst einst mit ins Boot geholt hatte, um möglichst viel reaktionäres Gewicht auf die politische Waage bringen zu können. Wurde da die Rechnung ohne den Volkswirt gemacht?

Einer, der so oft so sehr danebengelegen hat, soll ab dem kommenden Wintersemester also wieder auf Studierende der Uni Hamburg losgelassen werden. Man kann nur hoffen, dass bei denen angesichts des ganzen »Bulimielernens« nicht allzuviel hängenbleibt – und wenn doch, sie dann fleißig dazwischenreden.

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