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Aus: Ausgabe vom 31.07.2019, Seite 3 / Schwerpunkt
Mittlerer und Naher Osten

Ausbau der Atomkraft

Erforschung und Nutzung von Nuklearenergie im Mittleren und Nahen Osten
Von Karin Leukefeld
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Das Kernforschungszentrum in der Wüste Negev (Aufnahme vom August 2000)

Israel ist die eigentliche Atommacht im Mittleren und Nahen Osten, das Land hält diesbezügliche Informationen jedoch geheim. Unmittelbar nach Gründung des Staates 1948 soll ein Forschungsprogramm begonnen worden sein, Unterstützung kam sowohl von Frankreich als auch von Großbritannien. Die ersten Nuklearwaffen wurden vermutlich in den sechziger Jahren hergestellt. Israel weigert sich aus »Gründen der nationalen Sicherheit«, internationalen Kontrollabkommen beizutreten. Die jüngsten Pläne – die allerdings schon seit mehr als 20 Jahren diskutiert wurden – sehen den Bau eines weiteren Atomkraftwerks vor. Dabei gibt es Überlegungen, die regionale Kooperation mit arabischen Staaten und Ingenieuren zu fördern. Das könne dem Frieden dienen.

»Saubere, zuverlässige und friedliche Energie« soll auch das Ziel der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) beim Ausbau der Atomenergie sein. Das Kraftwerk Baraka bei Al-Dhafra/Abu Dhabi ist seit 2009 im Bau und könnte 2020 fertiggestellt werden. Es ist vorgesehen, dass die vier Reaktoren der Anlage bis zu 25 Prozent des Stroms erzeugen, den die VAE verbrauchen. Angesichts der sinkenden Ölressourcen und um den CO2-Ausstoß zu senken, planen die VAE nach eigenen Angaben eine Diversifikation des Stromsektors. Gebaut wird mit dem technischen Know-how von KEPCO, dem größten öffentlichen Elektrizitätsunternehmen Südkoreas.

Auch Saudi-Arabien will sein erstes Atomkraftwerk 2020 in Betrieb nehmen. Die Anlage steht außerhalb von Riad in der »König-Abdulasis-Stadt für Forschung und Technologie«. Gebaut wird hier zusammen mit dem staatlichen argentinischen Unternehmen Invap SE. Allerdings sei die Firma lediglich für Bau und Design zuständig, so der Botschafter des Landes Rafael Mariano Grossi bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien. Die Technik liege in der Verantwortung saudischer Ingenieure. Riad weigert sich bisher, mit den Kontrolleuren der IAEA zu kooperieren.

Als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass das Weiße Haus anscheinend ohne Absprache mit dem US-Kongress Nukleartechnologie an Saudi-Arabien verkauft hatte, kam es in Washington zu heftigem Streit. Das Energieministerium räumte ein, US-Unternehmen sieben Ausfuhrgenehmigungen für den Verkauf sicherheitsrelevanter Nukleartechnologie erteilt zu haben. Antworten auf Anfragen aus dem Kongress, was genau genehmigt worden sei und welche Firmen sich an dem Nukleardeal beteiligten, werden im Außen- und Energieministerium auf höchster Ebene zurückgehalten.

Auch Jordanien und Ägypten haben vor, Atomanlagen zu bauen. Doch ohne internationale Unterstützung wird das nicht umzusetzen sein.

Der Iran hatte sein nukleares Forschungsprogramm bereits in den fünfziger Jahren ins Leben gerufen und wurde dabei zunächst im Rahmen der US-Initiative »Atome für den Frieden« unterstützt. Auch erhielt Teheran von Frankreich und der BRD Hilfe beim Ausbau der Atomtechnologie. Nach eigenen Angaben verfügt das Land über mehrere Forschungsanlagen, zwei Uranminen, einen Forschungsreaktor und Urananreicherungsanlagen. 1970 unterzeichnete der Iran das Nichtverbreitungsabkommen (NPT), damit verbunden sind regelmäßige Kon­trollen durch die IAEA. 2015 wurde das Internationale Atomabkommen mit dem Iran unterzeichnet und vom UN-Sicherheitsrat bestätigt. Die US-Administration erklärte 2018, dass sie sich nicht mehr an das Abkommen halten werde.

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