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Aus: Ausgabe vom 27.07.2019, Seite 12 / Thema
Deutscher Adel

Schiebt sie ab …

Die Hohenzollernbande fleddert Deutschland. Bevor sie auch noch das wiedererrichtete Stadtschloss besetzen kann, muss Neuguinea dem Monarchistenclan Asyl gewähren. Dort gab es bis 1919 ein Kaiser-Wilhelm-Land
Von Otto Köhler
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Hohenzollern waren dann niemals Nazis, wenn sie dafür endlich eine Entschädigung bekommen (Adolf Hitler und Kronprinz Wilhelm von Preußen während der Feier vor der Garnisonkirche in Potsdam am 21. März 1933)

Bis in den späten Freitag vormittag der vorigen Woche hinein konnten die Leser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wähnen, dass sie in einer Republik leben. Indes, an jenem 19. Juli um 11.02 Uhr erfolgte im Internet die »Richtigstellung«: »Auf www.faz.net haben wir am 15. Juli unter der Überschrift ›Preußenschlag‹ die Verhandlungen zwischen dem Bund und dem Haus Hohenzollern über die Rückgabe von Schlössern und Kunstwerken kommentiert. In dem Text hieß es, dass ›der Bund in Gestalt von Monika Grütters die Verhandlungen erst einmal abgesagt hat‹. Das ist unzutreffend. Zwar hat Kulturstaatsministerin Grütters in einem Brief vom 13. Juni ein Angebot der Hohenzollern für eine vertragliche Lösung abgelehnt, gleichzeitig aber zu weiteren Gesprächen mit Vertretern der Länder für den 24. Juli eingeladen. Wir bitten die missverständliche Formulierung zu entschuldigen.«

Dieses Missverständnis des mutmaßlich republikanisch gesinnten FAZ-Redakteurs Andreas Kilb hatte bei ungeübten Lesern des Blatts zu der Fehleinschätzung geführt, sie lebten in einer – wie die Bezeichnung Bundesrepublik vermuten lassen könnte – Republik. Es ist das Verdienst der »Zeitung für Deutschland« dieser Lüge ein Ende gesetzt zu haben. Deutschland ist keine Republik, sondern ein von einer Monarchistenbande herumgejagter Erfüllungsstaat.

Zu Geld machen

Wir haben die Reparationen für den von Kaiser Wilhelm II. ausgebrochenen Krieg längst bezahlt. Und für den Zweiten Weltkrieg, für den sich Seine Majestät so begeisterte, weil Hitler Höchst­dieselbe wieder auf den Thron schieben sollte, zahlen wir nicht mit Reparationen, sondern mit Aufrüstung und Soldaten für den Dritten. Jetzt will die Hohenzollernbande endlich auch Beute sehen, viel Beute: Schlösser, ganz, oder – ihre Unterhaltung ist ja so teuer – wenigstens Wohnrecht ohne Miete. Und Geld, bares oder in Form von Kunst. Ja, Kunst – sie ist für den Hohenzollernclan das Wichtigste. In der Frankfurter Rundschau war am Mittwoch zu lesen: »2012 wurde der Beau Sancy, eines der Kronjuwelen Preußens, in Genf versteigert, vor kaum einem Jahr hat die Familie in London bei Sotheby’s unter anderem Ausstattungsstücke aus dem Berliner Schloss verkauft – ohne den Schlössern wenigstens die Gelegenheit zum Vorkauf zu geben.«

Geld wollen die Hohenzollern sehen, Geld. Die angeblichen oder wirklichen Erbstücke sollen schnell zu Kohle gemacht werden. Unmittelbar bevor ein neues – republikanisches – Gesetz den Ausverkauf nationaler Kulturgüter untersagte, ließ seine Königliche und Kaiserliche Hoheit Georg Friedrich Prinz von Preußen 2015 – die Geheimverhandlungen hatten schon begonnen – den Prunkharnisch des Brandenburger Kurfürsten und andere wertvolle Stücke nach London schaffen und dann bei Sotheby’s versteigern.

So sind sie, die Hohenzollern. Die Frankfurter Rundschau: »Die Hohenzollern haben sich nie anders verhalten. So gilt nach Untersuchungen von Historikern als sicher, dass sie das großartige Gemälde ›Einschiffung nach Kythera‹ von Jean-Antoine Watteau gleich zweimal an den Staat verkauft haben, einmal um 1930 und dann wieder 1982. Die teilweise erlesene Ausstattung von Schloss Klein-Glienicke wurde in den 30er Jahren von den Erben des Prinzen Carl verkauft, bis 1939 dann das nun weitgehend leere Schloss an die Stadt Berlin veräußert wurde.«

Jetzt in den neuen Geheimverhandlungen verlangen die Hohenzollern die Herausgabe des Königlichen Hausarchivs, das heute als Teil des Staatsbesitzes im Geheimen Staatsarchiv verwahrt wird. Die Frankfurter Rundschau: »Hier scheint es vor allem um mehr als 1.000 historisch brisante Briefe zu gehen, die Kaiserin Auguste Victoria wohl vor der Abreise in die Niederlande 1919 in einem Tresor im Neuen Palais versteckt hatte. Sie wurden erst vor einem Jahr wieder entdeckt.«

Seit der »Friedlichen Revolution« von 1989 gibt es für die Hohenzollern kein Halten mehr. Kaum ein Jahr nach dem Anschluss schafften sie die vor dem Bolschewismus nach Westdeutschland geretteten Knochen ihres berühmten Friedrich Zwo in einem gewaltigen anachronistischen Zug zurück in die befreiten Gebiete, nach Potsdam. Wo sie hingehören. Geschmackvoll kostümierte Burschenschaftler mit Band und Bierzipfel marschierten anfangs sogar nüchtern mit. Vor allem aber entsprechende Ehrenformationen der Bundeswehr. Sechs ihrer Offiziere mit prächtigen Affenschaukeln trugen den Sarg mit den Resten jenes Friedrich, der halb Europa, darunter auch viele deutsche Stämme, mit wichtigen Angriffskriegen heimgesucht hatte.

An der Spitze dieser feierlichen Knochenrücksendung: Helmut Kohl. Er war nicht als »Bundeskanzler« einer Republik gekommen – so etwas hätten die teilnehmenden Monarchisten übelgenommen. Er kam als »Privatmann«, als tüchtiger Historiker. Er wollte dabeisein, wenn Gott durch die Weltgeschichte schreitet, und war entschlossen, wie Bismarck lehrt, den Zipfel des Mantels der Geschichte fassen. Doch bei dem Hohenzollernschen Leichenzug muss Kohl – wie die weitere Geschichte lehrt – allenfalls den Zipfel eines Korporierten gegrabscht haben. Der Historiker Hans Mommsen maulte damals: »Die Bundesrepublik hat – gerade nach der Vereinigung – das Problem, ihre Identität zu finden. Es ist sicherlich verkehrt, wenn jetzt, an der Spitze der Bundeskanzler (Helmut Kohl), das Haschen nach dem Mantel der Geschichte einsetzt und man dann versucht etwa, die Umbettung Friedrichs des Großen als Anlass zu nehmen.«

Knochenparade

Für die Hohenzollern gedieh der Knochentransport zum Wiedereinzug in die deutsche Geschichte. Unsere schimmernde Bundeswehr hat die – schon unangenehm riechende – Leiche der Hohenzollern reanimiert. Die Idee dazu hatte der in Potsdam residierende Territorialkommandant Ost der Bundeswehr, General Werner von Scheven. Genaugenommen behauptete er, das Haus Hohenzollern habe um eine Ehrenwache gebeten. Ob als ehemaliger Referatsleiter Innere Führung im Führungsstab der Streitkräfte, als Beauftragter für Erziehung und Ausbildung beim Generalinspekteur der Bundeswehr, als Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr und schließlich als Chef des Sonderkommandos der Bundeswehr, das in Strausberg die Volksarmee auflöste – aus all diesen hochbildenden Funktionen heraus konnte er auch ganz von allein auf die traditionsschaffende Idee mit dem Leichentransport gekommen sein. Klar: Viele Menschen, so Scheven, würden es nicht verstehen, wenn »die Armee als stärkstes Symbol des Staates« den Preußenkönigen nicht die letzte Ehre erweisen würde. Und so bekam er von Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg den Auftrag, die Einteilung für die Ehrenwache und für das Musikkorps bei der Hohenzollernleichenschau vorzunehmen.

Und sicherlich war es auch Schevens eigene Idee, kaum ein Jahr später dem Bürgermeister von Rheinsberg einen bitteren Brief zu schreiben. Es ging um einen störenden Müll. Auf Bundeswehr-Briefbogen stellte er erst einmal als Befehlshaber des Korps- und Territorialkomandos Ost erbittert fest: »Es scheint nicht bekannt zu sein, dass die Bundeswehr aus dem verordneten Feindbild im schnellen Wandel der Zeit zum guten Nachbarn der Bürger von Rheinsberg geworden ist.«

Und dann kam der Hohenzollernschutzherr zum Abfall, der ihn »schockiert« hat: eine Buch- und Bilderschau zum Leben und Werk Kurt Tucholskys. Das »Machwerk« müsse »auf dem Müllhaufen der Geschichte verschwinden«. Denn die Ausstellung zeige Tucholsky nur als »Hintergrund für die Agitation des SED-Staates gegen die Bundesrepublik Deutschland und die Bundeswehr«, ja »westdeutsche Besucher« sähen sich »peinlich mit der DDR-Wirklichkeit konfrontiert, die die Bürger in diesem Teil Deutschlands im Herbst 1989 revolutionär verändern wollten«. In Rheinsberg, resignierte von Scheven, »scheint die Zeit stehengeblieben zu sein«.

Da steht sie noch heute mit der Tucholsky-Ausstellung im Schloss, aber möglicherweise nicht mehr lange. Der General forderte vom Bürgermeister Auskunft: »welche Rolle der Hersteller und Stifter dieser Ausstellung in der DDR gehabt hat …« Pech. Die Ausstellung stammte von dem westdeutschen Tucholsky-Experten Richard von Soldenhoff und war auch auf Empfehlung des – westdeutschen – Auswärtigen Amtes schon in Wien, Zürich, Salzburg und sogar in Berlin gezeigt worden.

Indes, der inzwischen pensionierte Kommandierende könnte sein Entsorgungsziel jetzt doch noch erreichen. Die Hohenzollern haben Schloss Rheinsberg auf ihre Restitutionsliste gesetzt. Wenn sie es kriegen, sollten sie ihren von Scheven, der inzwischen auch Vizepräsident von ADAC und Clausewitz-Gesellschaft war, zum Haushofmeister machen. Der schiebt endlich allen Müll auf den Haufen.

Und Tucholskys wunderschöne Erzählung »Rheinsberg« – ein republikanisches Memorial von Glück, Fröhlichkeit und Frivolität – wäre entsorgt. Nie wieder würde im Schloss Claires Ruf erschallen: »Sehssu, mein Affgen, das ist nu Deine Heimat. Sag mal: würdest Du für dieselbe in den Tod gehen?«

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Kulturgutverwerter Seine Königliche Hoheit Prinz Georg von Preußen: Wieviel Pfund bringt mein Urahn im Hintergrund bei Sotheby›s in London? (Am 10. Februar 2015 in der Friedenskirche zu Potsdam)

Der Krieg kam pünktlich

Millionen mussten. Tucholskys Erzählung »Rheinsberg« ist im Jahr 1912 erschienen, im selben Jahr legte der Ururopa unseres Fordernden Kronprinzen Georg den Beginn des Ersten Weltkriegs auf Sommer 1914 fest. Wilhelm Zwo hatte am Morgen eine böse Nachricht im Bett ereilt, ein Brief seines Botschafters in London: Die Engländer wollen Frankreich die Treue halten, wenn er Krieg gegen die Welschen führt. Wilhelm fällt aus dem Bett und ruft augenblicklich den Kriegsrat ein: Krieg, und zwar sofort. Doch ausgerechnet der lüsterne Admiral Tirpitz entdeckt das unerfreuliche Hindernis. Der Kaiser-Wilhelm-Kanal, durch den Höchstdesselben Flotte an die Nordsee gegen England ziehen muss, wird erst bis zum Sommer 1914 fertiggestellt. Ärgerlich. Aber der neue Termin wird pünktlich eingehalten.

Die deutsche Uniform, sie war schon immer das Sehnsuchtsziel der Hohenzollern. Der gegenwärtige Georg diente bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. Ein Traditionsregiment, das seit Hitlers Reich im Ruf steht, über erfahrene Killer zu gebieten. Massaker an Frauen, Kindern und Greisen gehörten damals zu ihrem ordentlich ausgeführten Handwerk. Gegenwärtig ist der als »Unternehmensberater« firmierende Hohenzollernchef Major der Reserve in Sigmaringen. Er ist als Stabsoffizier für Ausbildung in der 10. Panzerdivision eingeplant. Ein Lokalblatt meldete: »Georg Friedrich Prinz von Preußen war sehr erfreut darüber, dass er das Abzeichen der 10. Panzerdivision mit den hohenzollerschen Farben schwarz und silber mit dem ›Stauffer-Löwen‹ auf der Brust tragen darf.«

Das aber beweist weder Geschmack noch Familiensinn. Als Georg Friedrich gerade ein Jahr alt war, wurde sein Vater, der damalige Prinz von Hohenzollern bei einer Reserveübung von einem Bundswehr-Panzer erdrückt. Spesen auf dem Weg zu Deutschlands neuer Größe.

Eine seltsame Bagage, diese Hohenzollern. Wilhelm I. kam durch Krieg und Korruption zu seinem Titel als deutscher Kaiser. Krieg: Der wurde von Bismarck durch die »Emser Depesche« provoziert, zur Demütigung des französischen Erbfeindes wurde der erste deutsche Staat als »Deutsches Reich« 1871 ausgerufen – auf Feindesboden im Schloss Versailles. Korruption: Ludwig II. von Bayern hatte keine Lust, da mitzumachen. Bismarck schmierte ihn, und darauf ließ auch Ludwig die Bayern in Versailles Heil rufen.

Wunderbares Menschenmaterial

Der neue Kaiser hatte schon als preußischer »Kartätschenprinz« – sein nom de guerre – die preußischen Untertanen 1848 so brutal zusammenschießen lassen, dass er erst einmal verkleidet und unter falschen Namen nach London fliehen musste. Wieder zurück, nahm er sich mit dem preußischen Heer die süddeutschen Demokraten vor, ein entsetzliches Gemetzel.

Und für so etwas sollen wir noch heute zahlen, auch weil die Hohenzollern nie Nazis gewesen sein konnten? Für Enteignungen in der Sowjetischen Besatzungszone zahlt unser Siegerstaat Entschädigung. Aber dann nicht, wenn der Enteignete sich mit den Nazis eingelassen hat. Doch der 1918 nach Holland desertierte Wilhelm II. hat bis zu seinem Tod gehofft, dass der Führer ihn wieder in sein Kaiseramt einsetze – einstweilen erging er sich in Jubel über Hitlers Siege und in wüstem Antisemitismus.

Und so längst auch die hohenzollernsche Nachwuchsbrut. Am 14. April 1932 beschwerte sich Friedrich Wilhelm Victor August Ernst Prinz von Preußen, der älteste Sohn des abgedankten deutschen Kaisers, in einem Brief an den Reichswehrminister Wilhelm Groener. Der hatte gerade ein SA- und SS-Verbot beim Reichspräsidenten Paul von Hindenburg durchgesetzt. Dieses Verbot, so rügte der Prinz den Minister, könne er nur »als schweren Fehler« bezeichnen. Es sei ihm unverständlich, dass gerade der ehemalige Heeresgeneral Groener »das wunderbare Menschenmaterial, das in der SA und SS vereinigt ist und dort eine wertvolle Erziehung genießt«, für illegal erklären wolle.

Wie bitter Unrecht der FAZ-Redakteur Andreas Kilb der eingangs erwähnten Kulturstaatsministerin Monika Grütters aus der Bundesrepublik Deutschland getan hat, als er ihr unterstellte, die Verhandlungen mit den Hohenzollern abgebrochen zu haben. I wo. Am Mittwoch wurden die Geheimgespräche zwischen Republik und Monarchie wiederaufgenommen. Man einigte sich zwar nicht, aber diese absurden Verhandlungen laufen weiter, man will sich gütlich einigen. Ins deutsche Abseits gestellt haben sich nur Brandenburgs Finanzminister Christian Görke von der Linken – nahezu in einer Aktionseinheit mit dem immer noch bekannten Altrevolutionär Wolfgang Thierse von der SPD. Die Ansprüche hätten einen »Grad von Unverschämtheit« erreicht, empörte sich der SPD-Politiker. Oho! Wenn selbst der sanfte Bürgerrechtler Thierse so etwas verlauten lässt, dann könnte es vielleicht nicht unerlaubt sein, darüber nachzudenken, was diese Hohenzollernbagage überhaupt noch mit uns zu tun hat.

Raus aus unserm Land!

Das Volk der Hohenzollern gehört nicht zu Deutschland. Sein Anführer hat in der Stunde der von ihm angestifteten höchsten Not das Vaterland im Stich gelassen. Mit 59 Eisenbahnwaggons, randvoll mit zusammengeraubten Gütern, flüchtete Wilhelm II. 1918 aus dem Deutschen Reich. Er desertierte. Wir haben ihm und seinen Abkömmlingen nichts mehr nachzuwerfen. Und wenn der gierige Hohenzollernclan immer noch Ansprüche stellt – dann bitte: Raus aus unserm Land!

Mit einer Notverpflegung von Kaviar und Sekt müssen wir alle Hohenzollern aus allen deutschen Ländern abschieben. Vielleicht gewährt Neuguinea diesen Leuten Asyl. Dort gab es bis 1919 gleich neben dem Bismarck-Archipel ein geräumiges Kaiser-Wilhelm-Land. Dort soll man sie ansiedeln.

Aber Vorsicht, liebe Hohenzollern. Wir Deutsche haben noch Nachschlagewerke aus Eurer Zeit, und die warnen vor einer Sitte, die es auch im »vorhistorischen Europa« gab, der Anthropophagie, der »nicht bloß bei niedersten Stämmen vorkommenden Sitte, Menschenfleisch zu genießen«. Diese Menschenfresserei habe sich »in einem Teil Neuguineas« zu einer »solchen Feinschmeckerei« entwickelt, dass man für die in »Freudenhäusern« stattfindenden »Schmäuse« besondere Gewürzpflanzen angebaut habe. »Im Bismarck-Archipel herrscht A[nthropophagie] ganz allgemein«. (Meyers Großes Konversationslexikon, 6. Auflage von 1906, Band 1, S. 571 f). Am angegebenen Ort weiß dieses Nachschlagewerk: »Einzelne Anthropophagen aus unbezwinglichem, krankhaftem und zuweilen erblichem Gelüst beobachtete man auch wiederholt in zivilisierten Staaten, z. B. bei schwangeren Frauen.«

Dazu wusste das »Conversationslexicon für das katholische Deutschland« schon 1846 unter dem Stichwort Anthropophagen: »Indessen findet sich die Begierde, Menschenfleisch zu essen, auch bei einzelnen Individuen, in Form einer Krankheit, namentlich bei Weibern während der Zeit der Schwangerschaft, nach der, bis jetzt immer noch nicht erklärten, Wahrnehmung, dass sich in diesem Zustande bei den gebildetsten u. sonst vernünftigsten Personen nicht selten eine unwiderstehliche Begierde, selbst nach den sonderbarsten u. widerlichsten Gegenständen, äußert.« (Band 1, S. 529 f.)

Das, liebe Hohenzollern, Allerhöchste widerlichste Gegenstände, ist eine interessante Idee, wie wir Euch gänzlich los werden: Ihro Kaiserliche Hoheit, sobald Höchstdieselbe wieder mal schwanger sind, fressen Eure Kaiserliche Hoheit auf. Jeden Tag zum Frühstück eine Scheibe Hohenzollern, bis nichts mehr von Höchstdemselben da ist. Und so die ganze Erbfolge durch. Bis zum allerletzten Hohenzollern.

Guten Appetit! Und Eure Gier nach unserem Eigentum hat endlich ein Ende.

Otto Köhler schrieb an dieser Stelle zuletzt in der Ausgabe vom 16. Februar 2019 über die Bundeswehr und die Münchner Sicherheitskonferenz.

Debatte

  • Beitrag von Reinhard L. aus . (26. Juli 2019 um 23:29 Uhr)
    »... für den Zweiten Weltkrieg, für den sich Seine Majestät so begeisterte, weil Hitler Höchst­dieselbe wieder auf den Thron schieben sollte ...«

    Also, bei aller Wertschätzung, lieber Otto Köhler, das sollten Sie wissen: dass Hitler niemals die Hohenzollern-Monarchie restituieren wollte. Er hielt sie nämlich für eine erfolglose Form des deutschen Imperialismus. Belegstellen finden sich in »Mein Kampf« und in den »Tischgesprächen« zuhauf, Sie kennen die Quellen selber. Genau deshalb hat Hitler den deutschen Imperialismus um sozialdemokratische Elemente ergänzt. Und das machte ihn so widerlich erfolgreich.
    • Beitrag von Jürgen R. aus W. (28. Juli 2019 um 12:09 Uhr)
      Hier ging’s um die Absicht des Deserteurs, nicht die des anderen Irren.

      Und der »Erfolg« war einer des Terrors der höheren Kreise, und der wahre Erfolg der des »T-34« der besseren Kreise ...

Leserbriefe zu diesem Artikel:

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