Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 25.07.2019, Seite 5 / Inland
Stellenabbau

Deutsche Bank vor Scherbenhaufen

Geplanter Konzernumbau bringt Verluste in Höhe von 3,15 Milliarden Euro
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Die Zukunftsaussichten der Deutschen Bank sind trübe

Die jüngst in Angriff genommene Sanierung der Deutschen Bank reißt noch tiefere Löcher in die Bilanz des Geldhauses als zunächst angenommen. Der Konzernverlust belief sich auf 3,15 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 401 Millionen ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Bei Bekanntgabe der Umbaupläne Anfang Juli hatte die Bank noch ein Minus von 2,8 Milliarden Euro angekündigt. Allerdings verbuchte das Institut mit 3,4 Milliarden Euro nun einen größeren Anteil der Umstrukturierungskosten bereits im zweiten Quartal. Der bis 2022 ausgelegte Sanierungsplan sieht den Abbau von 18.000 der zuletzt weltweit rund 91.000 Vollzeitstellen vor.

»Einen erheblichen Teil der Restrukturierungskosten haben wir bereits im zweiten Quartal verbucht«, sagte Vorstandschef Christian Sewing. »Ohne diese Belastungen für den Umbau wäre die Deutsche Bank profitabel gewesen.« Die Bank hat nach eigenen Angaben alles in allem 231 Millionen Euro verdient. Vor allem die Fondstochter DWS habe deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum verdient. Unter dem Strich stehe ein Gewinn von 112 Millionen Euro; das seien 22 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Eigens für die »Aufräumarbeiten« in der Bilanz hat die Deutsche Bank eine interne »Bad Bank« eingerichtet. Dabei sollen vor allem lang laufende Derivate, die keinen Ertrag abwerfen, in eine interne Abwicklungseinheit – eine sogenannte Bad Bank – ausgelagert werden. Dabei verliere die Deutsche Bank zwar kein Geld, sie müsse aber wegen regulatorischer Vorschriften viel Eigenkapital vorhalten, das anderweitig besser eingesetzt werden könne. Von den 288 Milliarden Euro an Bilanzpositionen, die ursprünglich in dieser »Bad Bank« landen sollten, seien bereits 38 Milliarden Euro abgebaut. Insider rechnen jedoch damit, dass das Institut Jahre brauchen wird, um durch den Verkauf oder – in vielen Fällen wahrscheinlicher – das Auslaufen dieser Wertpapiere dringend benötigtes Kapital freizuschaufeln.

Die Kosten für den Umbau in Höhe von insgesamt rund 7,4 Milliarden Euro will die Bank aus eigener Kraft stemmen. Der Großteil der Lasten fällt im laufenden Jahr an. Nach drei Verlustjahren in Folge und einem Minigewinn 2018 drohen der Deutschen Bank daher auch im Gesamtjahr 2019 tiefrote Zahlen. Details zum Stellenabbau in Deutschland nannte die Deutsche Bank auch bei der Vorlage der Quartalsbilanz nicht. Sewing hatte jedoch den Wegfall einer »substantiellen Zahl« angekündigt. (Reuters/dpa/jW)

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