Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 24.07.2019, Seite 6 / Ausland
Stromausfall in Venezuela

Angriff auf Stromnetz

Nach Ausfall der Energieversorgung in Venezuela: Regierung macht »elektromagnetische Attacke« auf Wasserkraftwerk für Unterbrechung verantwortlich
Von Frederic Schnatterer
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Da die U-Bahn ausfiel, stieg die Bevölkerung von Caracas kurzerhand auf andere Transportmittel um (22. Juli 2019)

Nachdem am Montag nachmittag (Ortszeit) in großen Teilen Venezuelas der Strom ausgefallen war, konnte die Versorgung im Laufe des Dienstags in der Hauptstadt Caracas wieder hergestellt werden. Das meldete die nationale Elektrizitätsgesellschaft »Corpoelec« über den Kurznachrichtendienst Twitter. Mehr als die Hälfte der Bundesstaaten des Landes war zeitweise von der Energieversorgung abgeschnitten gewesen. U-Bahn-Linien mussten den Verkehr einstellen, Geschäfte machten dicht und Flüge fielen aus. Am Dienstag gratulierte Energieminister Freddy Brito über Twitter »dem venezolanischen Volk«, das sich während des Ausfalls »zivilisiert« verhalten habe.

Zuvor hatte Informationsminister Jorge Rodríguez eine »elektromagnetische Attacke« auf das Wasserkraftwerk »Simón Bolívar« am Guri-Stausee im Süden des Landes als Grund für den Stromausfall bezeichnet. Dort wird ein Großteil der Elektroenergie für das Land generiert. Glücklicherweise habe die Regierung nach den früheren Aggressionen Schutz- und Sicherheitsprotokolle beschlossen, die eine schnelle Wiederherstellung der Stromversorgung erlauben würden, erklärte er am Montag im Staatsfernsehen. Auch die medizinische sowie die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung seien sichergestellt.

Insgesamt handelte es sich um den vierten Stromausfall in diesem Jahr. Wie auch schon im März sieht die Regierung von Präsident Nicolás Maduro die Verantwortlichen hinter den Attacken in Washington und bei der rechten Opposition. Im März war das Land nach einem Angriff auf die Zentrale desselben Wasserkraftwerks elf Tage ohne Elektrizität geblieben. Maduro hatte später davon gesprochen, dass die Cyberattacken vom US-amerikanischen Houston sowie von Chile und Kolumbien ausgegangen seien.

Unterdessen machte Juan Guaidó, der sich Anfang des Jahres selbst zum »Übergangspräsidenten« ernannt hatte, das »Missmanagement« sowie »verschleppte Investitionen« der Regierung für den Stromausfall verantwortlich. Maduro hingegen sprach ebenfalls auf Twitter von einem »kriminellen Angriff auf die Ruhe und den Frieden des Vaterlandes«.

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