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Aus: Ausgabe vom 24.07.2019, Seite 2 / Ausland
Russland Südkorea

Konfrontation über Ostmeer

Südkorea behauptet, russische Militärflugzeuge abgefangen zu haben
Von Reinhard Lauterbach
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Ein russisches A-50-Militärflugzeug in der Nähe der Takeshima- bzw. Dokdo-Inseln

Im Luftraum über zwei Inseln im Japanischen Meer hat es offenbar einen Zwischenfall zwischen Südkorea und Russland gegeben. Südkoreanische Medien berichteten, dass am frühen Dienstag morgen europäischer Zeit über den Dokdo-Inseln zwei russische strategische Bomber vom Typ ­Tu-95 sowie ein diese begleitendes Aufklärungsflugzeug abgefangen worden seien. Die Maschinen seien in Begleitung zweier chinesischer Flieger mehrfach in den südkoreanischen Luftüberwachungsraum eingedrungen. Beim zweiten derartigen Versuch habe ein zwischenzeitlich gestartetes südkoreanisches Jagdflugzeug insgesamt 360 Warnschüsse abgegeben.

Von russischer Seite wurde das Vorkommnis bestätigt. Das Außenministerium in Moskau warf den südkoreanischen Piloten vor, sich »unprofessionell« verhalten zu haben und den Kurs der russischen Flugzeuge mit einer Luft-Boden-Rakete »gekreuzt« zu haben. Dass eine Bedrohung für die eigenen Maschinen existiert habe, wurde von Russland bestritten. Wäre dies der Fall gewesen, so hätten die russischen Piloten »sich zu helfen gewusst«, drohte Moskau indirekt damit, beim nächsten Mal zurückzuschießen.

Hintergrund des Streits ist der ungeklärte rechtliche Status der Gewässer, über denen der Vorfall stattfand. Das Dokdo-Archipel – zwei Felseninseln vulkanischen Ursprungs im von Südkorea Ostmeer genannten Japanischen Meer mit insgesamt 21 Hektar Fläche – wird sowohl von Südkorea als auch von Japan beansprucht. Südkorea hatte, um seine Ansprüche auf die beiden Felsen zu bekräftigen, das Archipel 2013 einseitig in seinen »Luftüberwachungsraum« aufgenommen. Dieser ist jedoch rechtlich nicht identisch mit dem südkoreanischen Luftraum. Entsprechende Ungenauigkeiten haben sich auch in die Meldungen renommierter bürgerlicher Medien wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eingeschlichen.

Die Dokdo-Inseln sind von etwa 50 Menschen bewohnt. 2017 besuchten gut 200.000 Touristen von Südkorea aus die Felsen. Sie dürfen dort allerdings nur 20 Minuten bleiben und das Hafengelände nicht verlassen. Das stärkt die Vermutung, dass das touristische Interesse im wesentlichen in einer nationalistischen Demonstration besteht. Auf japanisch heißen die Inseln Takeshima, im westlichen Sprachgebrauch werden sie als »Liancourt-Felsen« bezeichnet.

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