Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 22.07.2019, Seite 8 / Ansichten

Neoliberalismusopfer des Tages: Scotland Yard

Von Reinhard Lauterbach
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Die Londoner Zentrale der berühmten Polizeibehörde Scotland Yard

Outsourcing, also die Vergabe von Dienstleistungen, die nicht zum »Kerngeschäft« gehören, an externe Anbieter, ist eine praktische Sache. Plötzlich muss die Reinigungskraft im Krankenhaus nicht mehr nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Das spart Geld, das jeder Finanzminister lieber anderswo ausgibt oder das – in der Privatwirtschaft – gleich dahin wandert, wo es hingehört: auf die Konten der Aktionäre. Und wozu sollen »Mitarbeiter«, statt ihrer Tätigkeit nachzugehen, ihre Arbeitstage auf sozialen Netzwerken verbringen. Das versucht man ihnen ja sonst immer auszutreiben – mit, wie jeder Insider des Arbeitslebens weiß, mäßigem Erfolg.

So dachte auch die Leitung einer legendären Institution: Scotland Yard. Und vergab die Pflege ihrer diversen Social-Media-Konten nach »außen«. Was ist schon dabei, ein paar Pressemitteilungen in Facebook-Felder zu kopieren. Dafür braucht man doch wirklich keine Pensionsberechtigung.

Gut gedacht, aber nicht bis zum Schluss. Denn jetzt haben irgendwelche Leute das Konto, über das der Dienstleister die Pressemitteilungen von Scotland Yard verschickte, gehackt und im Namen der Polizei Vulgaritäten und Forderungen nach Freilassung eines wegen Gewalttätigkeit im Knast gelandeten Rappers verschickt. Das fiel dann auf, weil es ja nun wirklich nicht Aufgabe der Polizei ist, die Freilassung von Leuten zu verlangen. Es folgte das Übliche: Entschuldigungen und eine Löschaktion im doppelten Sinne.

Das ist zumindest die offizielle Darstellung. Einstweilen. Denn schon gibt es Stimmen, die behaupten, es sei nicht der Neoliberalismus im Innenministerium für die Panne verantwortlich, sondern – bitte ankreuzen – der Russe, der Iraner, der Nordkoreaner. Wie sagt das englische Sprichwort: Für jeden Finger, mit dem du auf andere zeigst, weisen drei auf dich zurück.

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