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Aus: Ausgabe vom 20.07.2019, Seite 7 / Ausland
Iran/USA

Trumps Seemannsgarn

Angeblich im Persischen Golf abgeschossene iranische Drohne sicher gelandet. Tankerpossen werden fortgeführt
Von Knut Mellenthin
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Die iranische Version der US-amerikanischen RG-170-Drohnen

Der Iran hat Berichten widersprochen, dass einer seiner unbemannten Flugkörper von einem US-amerikanischen Kriegsschiff abgeschossen worden sei. Die Geschichte war zuerst von US-Präsident Donald Trump in die Welt gesetzt worden. Er hatte Journalisten am Donnerstag im Weißen Haus erzählt, eine iranische Drohne habe sich dem amphibischen Kampflandungsschiff »Boxer«, das seit dem 24. Juni im Gebiet des Persischen Golfs operiert, bis auf 1.000 Meter genähert. Nachdem der Flugkörper auf mehrfache Aufforderungen, sich zu entfernen, nicht reagiert habe, sei er »zerstört« worden.

»Wir haben weder in der Straße von Hormus noch sonst wo irgendeine Drohne verloren«, twitterte daraufhin Abbas Araghchi, einer der stellvertretenden Außenminister Irans, und spottete: »Ich fürchte, die ›Boxer‹ hat versehentlich einen eigenen Flugkörper abgeschossen.« Ganz so war es aber offenbar nicht, denn etwas später erklärte ein Sprecher der iranischen Streitkräfte: »Anders als von Trump wahnhaft und grundlos behauptet, sind alle unsere Drohnen (…), einschließlich der vom Präsidenten erwähnten, sicher und unbeschädigt zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt.«

Eine Art Begegnung zwischen dem Kampflandungsschiff »Boxer« und einer iranischen Drohne scheint also wirklich stattgefunden zu haben, nur den Abschuss hat Trump wohl hinzuerfunden. In der Meldung des Pentagon steht davon nichts. Dort heißt es nur ohne genaue Angabe zum Ort des Zwischenfalls, ein unbemannter Flugkörper habe sich auf eine bedrohliche Distanz genähert. »Das Schiff ergriff daraufhin defensive Maßnahmen, um seine Sicherheit und die seiner Mannschaft zu gewährleisten.« Das könnten beispielsweise Warnschüsse gewesen sein, aber nicht einmal das ist sicher.

Auch ein zweiter Vorfall in der Region wird offenbar von Medien und Politikern aufgebauscht, um die Spannungen zu verschärfen. Wie erst am Donnerstag offiziell mitgeteilt wurde, hatten Boote der Küstenwache der iranischen »Revolutionsgarden« am Sonntag in der Straße von Hormus einen ausländischen Tanker gestellt und zum Anlaufen eines Hafens veranlasst. Bei dem Schiff handelt es sich um die seit mehreren Tagen vermisste »Riah«, die unter panamaischer Flagge fährt und einem Unternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten gehören soll. Nach iranischen Angaben hatte das Schiff eine Million Liter Treibstoff geladen, der außer Landes geschmuggelt werden sollte. Weil der Iran Benzin und andere Treibstoffe stark subventioniert, sind sie oft Gegenstand von Schmuggelgeschäften. Daher gibt es beim Stand der Dinge keinen Grund, an der offiziellen Darstellung zu zweifeln.

Indessen liegt der iranische Supertanker »Grace 1« immer noch in der britischen Kolonie Gibraltar fest. Die örtlichen Behörden hatten das Schiff am 4. Juli kurz nach Mitternacht mit Hilfe einer britischen Spezialeinheit gekapert, als es die Meerenge zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer durchfuhr. Der Vorwurf lautet, dass die 2,1 Millionen Barrel Erdöl an Bord des Tankers für eine syrische Raffinerie bestimmt gewesen seien, die auf einer Sanktionsliste der EU steht. Das wäre aber kein Verstoß gegen internationales Recht.

Am Freitag hat Gibraltars oberstes Gericht verfügt, dass der Tanker weitere 30 Tage festgehalten werden darf. Maximal sind nach den halbautonomen Gesetzen der Exklave 90 Tage möglich, bevor eine definitive Entscheidung fallen muss. Der Außenminister des Vereinigten Königreichs, Jeremy Hunt, hatte am vorigen Wochenende mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif telefoniert und dabei angeblich die Freigabe des Tankers in Aussicht gestellt, falls der Iran eine Garantie abgebe, dass das geladene Erdöl nicht nach Syrien geliefert werde. Die Iraner bestreiten zwar, dass Syrien das Ziel der »Grace 1« war, würden sich aber mit der geforderten Erklärung indirekt den EU-Sanktionen unterwerfen.

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