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Aus: Ausgabe vom 19.07.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Pogromstimmung

Sympathisanten – unser deutscher Herbst | Mi., 22.45 Uhr, ARD
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Die Angeklagten Jan-Carl Raspe, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof beim Prozess in Stuttgart-Stammheim 1975

Ulrike Meinhof und andere linke Gefangene der 70er Jahre wurden durch Isolationshaft gefoltert. Dagegen protestierten zumeist Intellektuelle. Heinrich Böll hat in »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« die Pogromstimmung gegen die »Sympathisanten« festgehalten. Willy Brandt schrieb z. B., sie bildeten »die ermunternde Kulisse, vor der die Mörder als Helden agieren können«. Der Film von Felix Moeller gibt vor allem Gespräche mit seiner Mutter Margarethe von Trotta und seinem Stiefvater Volker Schlöndorff wieder. Außerdem äußern sich u. a. Christof Wackernagel, Karl-Heinz Dellwo und der Schriftsteller Peter Schneider. Der hat ein sonniges Gemüt, wundert sich jedenfalls, dass ein ehemaliger SS-Mann wie Hanns Martin Schleyer in der BRD höchster Wirtschaftlobbyist wurde. Schloendorff, heute Merkel-Verehrer, zelebriert am Schluss seine Abneigung gegen alles Sozialistische. Linker Antikommunismus war schon vor 50 Jahren gesellschaftskonform. Erwähnt wird das in dieser Doku nicht. (asc)

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