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Aus: Ausgabe vom 18.07.2019, Seite 8 / Ansichten

EU-Versteher des Tages: Die Bundeswehr

Von Sebastian Carlens
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In der EU muss man auf der Verliererseite stehen oder Brite sein, um zu grundsätzlicher Kritik an ihr befähigt zu werden. Viele Deutsche aber, die – im Gegensatz zu Griechen, Portugiesen, Spaniern und so weiter – die Vorteile des entfesselten Marktes erleben, stehen treu zu dem, was uns als »europäische Einigung« untergejubelt worden ist. Das konzedieren die Parteien; von Die Linke bis zur Union sind alle »pro«. Selbst die AfD hat eingesehen, dass der Anteil deutscher EU-Gegner nicht genügt, um politische Schwungmasse zu erzeugen. Auch sie ist »proeuropäisch«. So viel Liebe und Zuneigung, das muss stutzen machen.

Eigentlich sollte der Laden »DEU« heißen, Deutscheuropäische Union. Das wissen manche, ahnen viele und fühlen noch mehr, denn die Freizügigkeit nützt denen, die es sich leisten können. Für den Rest ist alles nur ein ins Gigantische erweiterter Absatzmarkt, auf dem die eigene Haut zu Markte getragen werden darf.

Zu den Gewinnern gehört die Bundeswehr. Sie hat ohne Verluste Länder eingenommen, um die bereits zwei Weltkriege geführt worden sind. Im April hatten zwei auf Kreta stationierte Marineangehörige eine griechische Fahne erspäht und die wahren Kräfteverhältnisse wiederhergestellt: Die Flagge wurde eingeholt, die deutsche an ihrer Stelle gehisst. Die Griechen fanden das weniger lustig, zehn Monate Haft auf Bewährung, am Dienstag wurde die Abschiebung verkündet.

Bild mutmaßt: »Womöglicher Grund für die Empörung: Von 1941 bis 1944 stand Kreta unter Besatzung des NS-Regimes.« Die beiden Soldaten kündigen nun Berufung an und verteidigen sich, dass das Hissen deutscher Flaggen »in Deutschland völlig normal ist«.

Sie haben mehr von der EU verstanden als viele andere. Eines jedoch nicht: Man darf, auf Deutsch-Kreta, überhaupt in Deutsch-Südost, alles, wirklich alles. Man muss es nur »Europa« nennen.

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