Gegründet 1947 Sa. / So., 21. / 22. September 2019, Nr. 220
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 15.07.2019, Seite 1 / Ausland
US-Abschottungspolitik

Beginn von Massenabschiebungen

Nach Trumps erneuter Ankündigung gibt es in den USA breite Unterstützung für Betroffene
Von Ina Sembdner
RTS2LZB1.jpg
Nicht in US-Lagern gefangen, aber auch keine Chance auf ein besseres Leben: Am Freitag zurückgekehrte Migranten erreichen Guatemala-Stadt

Am gestrigen Sonntag sollte in den USA mit der massenhaften Abschiebung von Migranten ohne Aufenthaltspapiere begonnen werden, wie US-Präsident Donald Trump am Freitag laut der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt hatte. Erstmals angekündigt hatte Trump diese bereits vergangenen Monat, den Beginn der landesweiten Aktion seitdem aber mehrfach verschoben. Zunächst hatte die Einwanderungsbehörde ICE dabei 2.000 Menschen aus zehn Städten im Visier, darunter New York, Los Angeles, Chicago und Houston.

Die Ungewissheit und Trumps Hin und Her seien für mögliche Betroffene und deren Unterstützer am schwierigsten, wie Luis Aguilar von der Organisation CASA, die sich für prekär lebende Migranten einsetzt, gegenüber Al Jazeera News angab: »Es erzeugt eine Art Hysterie, (…) und Menschen sind nur noch damit beschäftigt«. Einem Bericht der New York Times vom Donnerstag zufolge planten Heimatschutzbeamte auch »Kollateral«-Abschiebungen mit ein. Das bedeutet, dass auch Menschen, die nicht direkt gesucht werden, sich aber zufällig in der Nähe aufhalten, festgenommen werden sollen.

Der Ankündigung Trumps folgten seit Freitag zahlreiche Proteste und Solidaritätsaktionen. Politiker der betroffenen Städte kündigten an, die ICE-Beamten nicht zu unterstützen. Hotels weigerten sich, ihre Räume als temporäre Haftzellen zur Verfügung zu stellen. Warnungen wurden ausgegeben, Türen nur bei einem Durchsuchungsbeschluss zu öffnen, wie CBS auf seiner Website berichtete. Ein Video der Denver Post, das den Protest von 2.000 Menschen Freitag nacht vor einer ICE-Haftanstalt in Aurora/Colorado zeigt, hat sich laut Xinhua am Sonnabend in den USA wie ein Lauffeuer im Internet verbreitet. Darin ersetzten Demonstranten die US-Flagge mit einer mexikanischen – im Bundesstaat Colorado leben Millionen Menschen aus Mexiko. Kritiker, die sich über diese »Entweihung« empörten, fragte der demokratische Gouverneur Jared Polis auf Twitter, ob sie nun auch »die anhaltende und noch schwerwiegendere Beleidigung unserer Flagge und unserer Werte verurteilen, Kinder in Käfige zu sperren und Familien auseinanderzureißen«?

Mehr aus: Ausland