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Aus: Ausgabe vom 13.07.2019, Seite 8 / Ansichten

Traditionen fortsetzen

Umbau der Deutschen Bank
Von Simon Zeise
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Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

Die Deutsche Bank schmeißt Angestellte raus. Natürlich werde auch in Deutschland eine substantielle Zahl an Stellen wegfallen, teilte Vorstandschef Christian Sewing am Freitag mit. Bis zu 6.000 Mitarbeiter müssen hierzulande den Laden verlassen. Denn erstens hat sich die Bank verzockt: Zu groß ist der Anteil fauler Kredite in der Bilanz. Sie muss ihr Investmentbanking zurückschrauben, sonst kriegt sie kein Bein mehr auf den Boden. Zweitens werden Mitarbeiter entlassen, weil die zum Konzern gehörende Postbank auf Gewinn gekürzt wird. Die flächendeckende Versorgung mit Filialen ist den Bankern nur ein lästiger Kostenfaktor.

Gehen müssen die kleinen Fische. Die Großen lässt man laufen. Während zu Wochenbeginn die ersten Angestellten in London ihre sieben Sachen packen mussten, ließen die hohen Tiere in der City einen Schneider antanzen, der ihnen maßgeschneiderte Anzüge herstellte. Man will ja gut aussehen, wenn die Presse vor der Tür steht.

Nicht dass falsche Vorstellungen aufkommen. Die Deutsche Bank bleibt eine feste Institution im Haifischbecken. Spekulationsgeschäfte sollen langfristig wieder ausgebaut werden. In den kommenden drei Jahren sollen Erträge in Höhe von 7,5 Milliarden Euro fließen. Das entspräche 30 Prozent der Gesamteinnahmen. Und um die Machtverhältnisse in Deutschland zurechtzurücken, teilte Sewing mit: »Wir nehmen allein im Investmentbanking fast soviel ein wie die Commerzbank insgesamt. Diese Größenordnung scheinen die Leute manchmal zu vergessen« – kleine Brötchen sollen andere backen.

Das weltweite Wachstum werde vor allem aus Asien erwirtschaftet, fügte Sewing hinzu. Da passt es gut ins Bild, dass das US-Justizministerium Ermittlungen gegen die Deutsche Bank eingeleitet hat. Das Geldhaus soll dabei mitgemischt haben, den malaysischen Staatsfonds »1 Malaysia Development Berhad« anzuzapfen, dem über windige Kreditgeschäfte bis zu 4,6 Milliarden Dollar abgeknapst wurden.

Bis es wieder rundläuft, müssen sich die Banker auf Nischenprodukte spezialisieren. Wie die EU-Finanzaufsicht mitteilte, gedeihen Betrügereien rund um den Dividendenstichtag – sogenannte Cum-Ex-Geschäfte – in der EU immer noch prächtig. Ermittlungen gegen die Deutsche Bank laufen. Die Gesetze, die diese Geschäfte in Deutschland überhaupt erst ermöglichten, waren von einem Maulwurf im Finanzministerium geschrieben worden, der für den Bankenverband arbeitete.

Im Deutsche-Bank-Vorstand weiß man: »Die Mächtigen unserer Zeit sind diejenigen, die das Geschäft der Gremienmanipulation am besten beherrschen.« Das sagte einst Hermann Josef Abs, der das Geldhaus »arisierte«, durch den Faschismus führte und als Berater Konrad Adenauers bis in die späten 70er geleitete. Sewings sehnlichster Wunsch ist es, »dass wir irgendwann in unserer Gesellschaft wieder den Respekt bekommen, den diese Bank einmal hatte«. Sie arbeiten daran.

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