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Aus: Ausgabe vom 13.07.2019, Seite 2 / Ausland
Venezuela

Chevron nationalisieren

Venezuela will offenbar auf US-Sanktionen reagieren
Von André Scheer
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Die Logos des venezolanischen Staatsunternehmen PDVSA und des US-Konzerns Chevron an einem Öltank bei Maracaibo (26.5.2006)

Venezuela bereitet sich einer Meldung des Branchendienstes Argus Media zufolge darauf vor, Beteiligungen von US-Konzernen an der venezolanischen Erdölindustrie zu beschlagnahmen. Hintergrund sind die von Washington gegen Caracas verhängten Wirtschaftssanktionen. Am 27. Juli läuft eine von der US-Administration erteilte Sondergenehmigung aus, die nordamerikanische Unternehmen vom Verbot der Zusammenarbeit mit den Behörden Venezuelas ausgenommen hatte. Sollte diese nicht verlängert werden, wolle Präsident Nicolás Maduro per Dekret die Nationalisierung der Anteile anordnen, so Argus Media. Man habe bereits Verhandlungen mit russischen und chinesischen Unternehmen aufgenommen, damit diese die Anteile übernehmen. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Betroffen wäre vor allem der Ölmulti Chevron. Dem Wirtschaftsportal Bloomberg zufolge bestätigte Donald Trumps Wirtschaftsberater Lawrence Kudlow am Dienstag, dass eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung für den Konzern diskutiert werde.

Unterdessen hat Norwegens Außenministerium erklärt, dass die von Oslo vermittelten Gespräche zwischen Regierung und Opposition des südamerikanischen Landes fortgesetzt werden. Beide Seiten hätten sich darauf verständigt, eine ständige Arbeitsgruppe einzurichten. Weitere Ergebnisse der Anfang der Woche in Barbados durchgeführten Verhandlungsrunde wurden nicht mitgeteilt. Der Präsident der Verfassunggebenden Versammlung, Diosdado Cabello, widersprach in seiner wöchentlichen Fernsehsendung »Con el Mazo Dando« Berichten, wonach sich beide Seiten auf vorgezogene Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr geeinigt hätten. Staatschef sei und bleibe Maduro.

Der selbsternannte »Übergangspräsident« Juan Guaidó hat derweil Vertreter der von Washington kontrollierten Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) zu einem Besuch des südamerikanischen Landes eingeladen hat. Zwar bestätigte die CIDH, dass man die Einladung annehmen werde – geht aber offenbar davon aus, dass sich die Behörden der Bolivarischen Republik querstellen werden. Im Antwortschreiben erinnert die CIDH daran, dass es Aufgabe des einladenden Staates sei, die Bedingungen für die Durchführung der Mission zu garantieren. Man möge deshalb doch bitte mitteilen, welche »Maßnahmen zur Sicherstellung der Einreise der CIDH-Delegation nach Venezuela« ergriffen worden seien.

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