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Aus: Ausgabe vom 11.07.2019, Seite 15 / Medien
Arbeitskampf

Eine Stunde Ausfall beim WDR

Morgenmagazin: Aufzeichnung statt live. Beschäftigte beim Sender im Warnstreik
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Klare Vorstellung für gerechte Bezahlung: Aufkleber anlässlich des Warnstreiks beim WDR am Dienstag

Am Dienstag sendete der Westdeutsche Rundfunk (WDR) eine knappe Stunde aus der »Konserve«. Im offenbar bei Zuschauern beliebten »Morgenmagazin« der ARD – in Köln beim WDR produziert – palaverten zwischen sieben und acht Uhr morgens die Moderatoren zwar wie gewohnt. Am unteren Bildschirmrand allerdings wurde darauf hingewiesen, dass dies eine Aufzeichnung der Zeitspanne von sechs bis sieben Uhr sei. Auslöser war ein Warnstreik beim größten ARD-Sender, zu dem die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und der Deutsche Journalistenverband (DJV) aufgerufen hatten.

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten stecken offenbar fest. Laut Gewerkschaften bewegten sich die Verantwortlichen des Senders nicht. Im Vorfeld der anstehenden dritten Verhandlungsrunde am heutigen Donnerstag wollten Mitarbeiter und Gewerkschaften Druck machen. Am Dienstag streiken u. a. die Kameraleute ganztägig. Am Vormittag versammelten sich Streikende und Gewerkschafter in der Kölner Innenstadt um ihre Ziele zu verdeutlichen. Die Beschäftigten fordern sechs Prozent mehr Lohn und höhere Honorare für Freie Mitarbeiter. Dabei solle sich der WDR an der Gehaltsentwicklung im öffentlichen Dienst orientieren, fordern die Gewerkschaften. Auch mehr Geld für Auszubildende stehe auf der Tagesordnung .

»Zwei Verhandlungsrunden zwischen dem WDR und den Gewerkschaften gingen ergebnislos ins Land. Klar geworden ist nur, dass die Geschäftsführung nicht an konstruktiven Verhandlungen interessiert ist«, kommentierte Pressesprecher DJV-Hendrik Zörner auf Webseite djv.de am Dienstag. Er monierte zudem, dass der Sender »nur minimale Einkommenserhöhungen« anböte und zugleich »die Vergütungsstruktur zu Lasten der Beschäftigten verändert werden« solle.

Zörner erwähnte zudem in seinem Kommentar, dass es für Moderatoren am Dienstag einen »Maulkorberlass« gegeben habe. »In einer internen Rundmail wird dazu aufgefordert, dass ›Moderator*innen ihre Position am Mikrofon nicht dazu benutzen, sich inhaltlich zum Thema zu äußern, sondern neutral verhalten. Nicht die Gewerkschaften, sondern einzig und allein der WDR hat die Programmverantwortung und entscheidet, inwieweit Streiks gegen den WDR zu Programminhalten werden. Konkret: Wenn wir uns in den Programmen zu dem Thema äußern, dann nur auf Ansage von programmverantwortlichen Redakteur*innen‹«. (dpa/jW)

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