Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 11.07.2019, Seite 7 / Ausland
USA und Iran

Flotte gegen Teheran

US-Regierung organisiert Militärkoalition. Konflikt mit Iran soll internationaler werden
Von Knut Mellenthin
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US-Kriegsschiffe im Persischen Golf (25.6.2019)

Die Idee ist keineswegs neu, aber die Planung wird konkreter und gewinnt an Tempo: »In den nächsten paar Wochen« wollen die USA damit beginnen, eine internationale Flotte vor der Südküste des Irans und rund um die arabische Halbinsel aufzustellen. Darüber sprach der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte, Marinegeneral Joseph Dunford, am Dienstag vor einem kleinen Kreis ausgewählter Journalisten. Unmittelbar zuvor hatte er über das Thema mit Außenminister Michael Pompeo und dem geschäftsführenden Verteidigungsminister Mark Esper diskutiert.

Was aus Dunfords Vortrag am Mittwoch in die Medien gelangte, war zunächst nur bruchstückhaft: Gemäß einem Plan, der erst vor wenigen Tagen fertiggestellt worden sei, würden die USA die Kommandoschiffe und die militärische Aufklärung für das Unternehmen zur Verfügung stellen. Kriegsmarinen williger Verbündeter würden die Überwachung der Straße von Hormus und der Meerenge Bab Al-Mandab sowie später auch die Eskortierung von Tankern und anderen Handelsschiffen übernehmen. Die Straße von Hormus befindet sich zwischen dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten, sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Das Bab Al-Mandab liegt zwischen dem Jemen und Nordostafrika. Schiffe, die durch den Suezkanal fahren, müssen sie passieren.

Die USA seien zur Zeit dabei, mit einer Anzahl von Ländern zu verhandeln, um festzustellen, ob eine »Koalition zur Sicherstellung der Freiheit der Schiffahrt« gebildet werden könne, sagte der Marinegeneral. In wenigen Wochen werde man wissen, welche Staaten das Vorhaben unterstützen, und anschließend werde man direkt mit deren Militärs über ihre verfügbaren Kapazitäten sprechen. Einzelheiten, etwa über die in Frage kommenden Länder, hat Dunford in dem Pressegespräch wohl nicht verraten. Vermutlich werden Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate dabei sein. Der Einbindung Katars in die Logistik der geplanten Operation könnten am Montag und Dienstag Gespräche des Emirs mit dem geschäftsführenden US-Verteidigungsminister Esper, dessen Vorgänger James Mattis und mit Präsident Donald Trump gedient haben. Die US-Streitkräfte unterhalten in Katar ihren größten Stützpunkt in der Region.

Der von Dunford in groben Umrissen offenbarte Plan einer Allianz gegen den Iran knüpft an eine von der Trump-Administration initiierte und von der polnischen Regierung anstandslos veranstaltete Konferenz an, die Mitte Februar in Warschau stattfand. Dort zeigten aber die meisten europäischen Verbündeten der USA keine Bereitschaft, sich an militärischen Abenteuern mit ungewissem Ausgang zu beteiligen. Neu an dem jetzt von Dunford vorgestelltem Projekt scheint, dass Pentagon und State Department nicht mehr abwarten wollen, ob eine größere Zahl von Staaten ihre Unterstützung zusagt. Jetzt steht das Tempo, ein schneller Beginn im Vordergrund. Die Operation sei »anpassbar«, sagte der Chef der US-Streitkräfte. »Mit einer kleinen Zahl von Teilnehmern können wir eine kleine Mission bekommen. Und wir werden sie erweitern, wenn die Zahl der Nationen, die mitmachen wollen, erkennbar wird.«

Die nicht ausgesprochene Konsequenz dieses Plans ist: Mit der Zahl der teilnehmenden Staaten wächst die Wahrscheinlichkeit militärischer Zwischenfälle. Das gilt besonders für die Saudis und die Emirate, die offen darauf brennen, einen Koalitionskrieg gegen Teheran auszulösen.

Im Iran gedachte man in der vorigen Woche der 290 Menschen an Bord eines Passagierflugzeugs, das am 3. Juli 1988 im internationalen Luftraum über dem Persischen Golf von einem US-Kriegsschiff abgeschossen wurde. Hintergrund war, dass die US-Marine während des irakisch-iranischen Krieges Handelsschiffe eskortiert hatte.

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