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Der Klang der Mondlandung

Von Rafik Will
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Erster Mann auf dem Mond, aber nicht der letzte: Neil Armstrong holt die Flagge raus

Radiomoderatoren und Nachrichtensprecher achten in der Regel auf die korrekte Aussprache von Eigennamen. Bei der Berichterstattung rund um die Verhaftung der »Sea Watch 3«-Kapitänin Carola Rackete taten sie das allerdings nicht. Durch die Bank setzte man in den Hörfunkredaktionen auf eine falsche Betonung mit »Rakete«. Die Motivation dahinter ist nicht ganz klar. Sollte das Thema Seenotrettung mit einem Namenswitz aufgelockert werden? Oder klingt da etwa der seit Wernherr von Braun bestehende deutsche Raketenfetisch mit an? Oder hat das diesjährige 50. Jubiläum der Mondlandung eine Rolle gespielt?

Um sich letzterer zu widmen, braucht man aber keine Witze mit Namen zum besten zu geben, denn die kommende Woche hält einige Mondlandungshörspiele im Programm bereit. Anna Peins »Die Mondscheinbraut« (NDR/HR 2016; Di., 20 Uhr, DLF) blickt auf das Fernsehevent der späten 60er durch die Augen eines bundesdeutschen Schulkindes, das gerne JFK im outer space ehelichen möchte. Der Ende 2018 gestorbene Ferdinand Kriwet ist mit seinem »Hörtext 6: Apollo Amerika« (SWF/BR/WDR 1969; Fr., 21 Uhr, Bayern 2) zu hören. In diesem Stück verarbeitete er sein Erleben der medialen Übertragung der Mondladung – im Sommer 1969 bereiste Kriwet die USA. Und Felix Kubin bringt »Apollo 11 – 11 Klangpostkarten« (Eigenproduktion 2019; Ursendung So., 23 Uhr, ORF Ö1) an den Start. Der Hörspielmacher, Musiker und Labelbetreiber (Gagarin Records) hat eine Audiopostkarte an den Mond verfasst und andere Künstlerinnen und Künstler gebeten, das auch zu tun. Mit dabei: Mariola Brillowska, Christina Kubisch und Pete Um, »The Social Astronaut«.

Unter dem Titel »Kinderleicht« setzt sich diese Woche beim WDR eine ganze Reihe von Hörspielen mit dem Thema Kindheit auseinander. Zweimal vertreten ist das Duo Butterland (Regina Dürig und Christian Müller) mit den dokumentarischen, interviewbasierten Stücken  »Childhood Stories: China« (Eigenproduktion 2013; Di., 19 Uhr, WDR 3) und »Childhood Stories: Istanbul« (SWR 2019; Mi., 19 Uhr, WDR 3).

Über Otto Sander in einer Nebenrolle als Chauffeur kann man sich bei Hermann Bohlens »Alfred C.« (DKultur/HR 2012; Mi., 22 Uhr, DLF Kultur) freuen, das 2012 mit dem »Deutschen Hörspielpreis der ARD« ausgezeichnet wurde. Den Angriff auf die Privatsphäre durch das allgegenwärtige Verlangen nach Sicherheit kontern Hannah Hofmann und Sven Lindholm mit ihrer Theaterbearbeitung »noch nicht« (Eigenproduktion 2011; Do., 22 Uhr, DLF Kultur). Gaby Hartel und zeitblom nehmen sich derweil die »John Giorno – Soundpoems« (DLF Kultur/SWR 2018; Do., 22 Uhr, SWR 2) vor. Und von zeitblom gibt es dieses Wochenende sogar noch die Ursendung »Biomembran« (HR 2019; Sa., 23 Uhr, HR2 Kultur). Ausgangspunkt dieser Klangkunstarbeit – Auftakt von zeitbloms fünfteiligem »Bio-Cycle« – ist »Der Raum als Membran«, 1926 von Siegfried Ebeling veröffentlicht.

Ebenfalls brandneu: Thomas Gerwin hat aus dem gleichnamigen Roman von Franz Hessel »Heimliches Berlin« (RBB 2019; Ursendung Fr., 22 Uhr, RBB Kultur) ein 20er-Jahre- Hörspiel voll amouröser Verwicklungen gemacht. Agnieszka Lessmanns »Mörder« (DLF/SWR 2011; Sa., 19 Uhr, WDR 3 und So.,17 Uhr, WDR 5) ist mittlerweile ein Hörspielklassiker zur Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit. Bei radioeins führen Knut Elstermann, Marion Brasch und Anja Caspari durch  »Die 100 besten Ostsongs« (So., ab 9 Uhr, radioeins). An den bisherigen Sommersonntagen wurden von Expertenjurys die besten Sommer-, Hippie- und HipHop-Songs gekürt. Und auch nicht verpassen: Frank Witzels schon jetzt gefeiertes Hörspiel: »Jule, Julia, Julischka« (HR 2019; Ursendung So., 14 Uhr, HR2 Kultur).

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