Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 09.07.2019, Seite 2 / Inland
Linksjugend veranstaltet Festival

»Konflikt mit Herrschenden ist unausweichlich«

Kräfte bündeln für den gemeinsamen Kampf: Am Sonnabend findet das Internationalistische Jugendfestival statt. Ein Gespräch mit Christian Walter
Interview: Peter Schaber
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Demonstranten der Bewegung »Students for Future« in Hannover (5.7.2019)

An diesem Sonnabend werden Tausende Jugendliche im nordrhein-westfälischen Euskirchen zum »Internationalistischen Jugendfestival« zusammenkommen. Das diesjährige Motto »Smash Fascism, Not The Planet« verbindet Kämpfe gegen Umweltzerstörung und Antifaschismus. Was ist die Botschaft, die Sie den Jugendlichen vermitteln wollen?

»Millionen sind stärker als Millionäre« – diesen Slogan werden wir spürbar machen. Das Festival organisieren wir als Bündnis von Aktiven aus verschiedenen feministischen, antifaschistischen und antikapitalistischen Jugendorganisationen. Für uns ist schon lange klar: Sexismus, Umweltzerstörung, Wirtschaftskrisen, Armut und Faschismus hängen miteinander zusammen.

Wenn mehrere tausend Jugendliche zusammenkommen, sie untereinander von ihren Kämpfen lernen und zu kraftvoller Musik feiern, wird das ihr Selbstbewusstsein entfachen. Ziel unseres internationalistischen Bündnisses ist, dass Jugendliche sich einmischen und die Zukunft in die eigenen Hände nehmen. Das heißt eben auch: Die Welt den Händen der Kapitalisten entreißen, damit es überhaupt eine Zukunft geben wird.

Mit der »Fridays for ­Future«-Bewegung sind aktuell Ansätze einer Jugendbewegung zu verzeichnen. Würden Sie von einer generellen Politisierung der Jugend hierzulande sprechen?

Definitiv. Darauf weist die auch nach einem halben Jahr immer noch hohe Beteiligung bei »Fridays for Future«-Aktionen hin, aber auch antirassistische Proteste wie »Unteilbar« im letzten Herbst, wo eine Viertelmillion Menschen auf der Straße waren, oder die »Seebrücke«-Bewegung gegen den Massenmord im Mittelmeer. Diese beeindruckenden Proteste sind nur die Spitze. Viele, die noch nie auf einer Demo waren, sympathisieren damit. Um aber künftig nicht nur Symptome, sondern auch Problemursachen zu bekämpfen, wollen wir mit unserem Festival antikapitalistische Inhalte verbreiten und Organisationsangebote machen.

Im Aufruf heißt es, man müsse daran arbeiten, Alternativen zum Kapitalismus zu schaffen. Als ein Beispiel dafür wird der demokratische Aufbau im nordsyrischen Rojava genannt. Was können deutsche Jugendliche von diesem Projekt lernen?

In Rojava gibt es praktische Ansätze, eine »Demokratie von unten« zu errichten. Ein Großteil des Landes ist durch den Krieg zerstört, und vielerorts sind die Kämpfe noch nicht vorbei. Dennoch ist es dort gelungen, einen Leuchtturm der Hoffnung zu erbauen, der Strahlkraft für die ganze Region hat. Die Gleichberechtigung von Frauen und die aktive Einbeziehung ethnischer Minderheiten sind dort mehr als nur Lippenbekenntnisse, während in der Umgebung rassistische und religiöse Spaltung betrieben wird. Zu Recht gibt es international von Linken teils sehr praktische Solidarität.

Was wir lernen können, ist auch: Man darf in schwierigen Phasen den Kampf nicht aufgeben, der Konflikt mit den Herrschenden ist unausweichlich.

Die Bezugnahme auf Kurdistan im Aufruf ist offenkundig. Andere Nationen werden höchstens beiläufig erwähnt. Werden Kämpfe in Palästina, im Sudan oder Lateinamerika eine Rolle auf dem Festival spielen?

Die »Linksjugend Solid« in NRW wird in ihrem Beitrag verschiedene Befreiungsbewegungen auf der Welt aufgreifen. Kurdistan sticht im Aufruf besonders hervor, weil dort mit Rojava etwas Herausragendes geschaffen wurde, das besondere Aufmerksamkeit verdient. Dabei ist es alles andere als sicher, ob Rojava überleben wird – internationale Solidarität ist unsere Waffe, unser Beitrag zur Verteidigung der dortigen Errungenschaften und zur Befreiung der Menschen weltweit. Auch das Festivalprogramm setzt sich international zusammen: Es haben Bands aus Deutschland, der Türkei, Kurdistan und dem Baskenland zugesagt.

In den vergangenen Jahren sahen sich nahezu alle Versuche, deutsche, türkische und kurdische Linke zusammenzubringen, mit staatlicher Repression konfrontiert. Gab es schon Probleme wegen des Festivals?

Bisher werden uns keine allzu großen Steine in den Weg gelegt, aber wir wissen auch, dass sich das schnell ändern kann. Der deutsche Repressionsapparat agiert häufig als verlängerter Arm des türkischen Präsidenten Erdogan. Es wäre nicht das erste Event, das wegen Druck aus Ankara Probleme bekommt.

Christian Walter ist Landessprecher der »Linksjugend Solid« in NRW

Informationen zum Festival: smashfascismnottheplanet.org

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