Gegründet 1947 Freitag, 19. Juli 2019, Nr. 165
Die junge Welt wird von 2201 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 02.07.2019, Seite 6 / Ausland
Venezuela

Foltervorwürfe gegen Spionageabwehr

Venezuela: Wegen Putschvorbereitungen angeklagter Offizier stirbt in der Haft
Von André Scheer
RTX4NV0M.jpg
Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino López, hier bei einer Pressekonferenz am 2. Februar 2018 in Caracas

Der Tod eines inhaftierten Offiziers sorgt für neue Aufregung in Venezuela. Korvettenkapitän Rafael Acosta Arévalo war Medienberichten zufolge am 22. Juni festgenommen worden. Wenige Tage später berichtete Informationsminister Jorge Rodríguez darüber, dass die Sicherheitsbehörden ein Komplott aufgedeckt hätten, dessen Ziel ein Staatsstreich und die Ermordung von Staatspräsident Nicolás Maduros gewesen sei.

Wie Verteidigungsminister Vladimir Padrino López mitteilte, wurde der Offizier am Freitag einem Militärrichter vorgeführt. Bevor die Anhörung beginnen konnte, sei Acosta Arévalo zusammengebrochen und sofort in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort sei er trotz aller ärztlichen Bemühungen verstorben. Kriminalpolizei und Generalstaatsanwaltschaft hätten die Ermittlungen übernommen, es sei eine gerichtsmedizinische Untersuchung angeordnet worden, um die Todesursache festzustellen.

Oppositionspolitiker erhoben umgehend Foltervorwürfe gegen die Spionageabwehr der venezolanischen Streitkräfte, DGCIM. Die sich selbst als Menschenrechtsanwältin präsentierende Tamara Sujú wartete umgehend mit Details über besondere Folterzellen auf, die es in den Gefängnissen gebe. Die meisten Medien, die diese Darstellungen zitierten, verschweigen jedoch, dass der selbsternannte »Präsident« Juan Guaidó sie schon im März zu seiner »Botschafterin« in der Tschechischen Republik gemacht hatte – von einer unabhängigen Aktivistin kann also kaum die Rede sein. Wenig überraschend meldete sich auch der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, über Twitter zu Wort und machte nicht nur Venezuelas Behörden, sondern auch ihre »kubanischen Hintermänner« für »Folterung und Tod« des Offiziers verantwortlich.

Nach Informationen von Acosta Arévalos Verteidiger Alfonso Medina Roa sollen zwei Verdächtige festgenommen worden sein, der Vorwurf laute auf Mord und Verstoß gegen das Verbot der Folter. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es bislang nicht.