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Aus: Ausgabe vom 01.07.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Alles Lügen?

Zu jW vom 15./16.6.: »Beweise à la USA«

Wieder einmal betreiben die Kriegstreiber in der US-Regierung ein tödliches Spiel. Da soll der Iran verantwortlich für den Angriff auf zwei Tanker sein. Teheran bestreitet dies. Für mich stellt sich die Frage, warum der US-Regierung mehr geglaubt wird als der iranischen Regierung. Natürlich, weil die Amerikaner die »Guten« sind und die iranische Regierung die »Bösen«, und unsere den USA hörige Regierung übernimmt dieses Schema. Warum wird nicht bedacht, dass eventuell die US-Regierung diese Tat inszeniert hat, um wieder einmal einen Grund zu haben, Krieg zu führen? Es ist doch verdächtig, dass unterschiedliche Darstellungen der Angriffe bestehen. Es ist doch ein komischer Zufall, dass US-Drohnen sofort da waren, um Bilder und Filme zu liefern. Ist es nicht bezeichnend, dass die Filmaufnahme des angeblichen Bootes der Revolutionsgarden von so schlechter Qualität ist, dass man alles hineininterpretieren kann?

Diese Fragen zu stellen, haben die meisten deutschen Politiker nicht den Mut, denn Trump könnte ja verärgert werden. Es wird Zeit, den Amerikanern ihr Grenzen aufzuzeigen. Das betrifft nicht nur, aber vor allem, die Kriegspolitik, denn die US-Regierung führt Kriege immer außerhalb der USA. Die US-Bürger haben keine Erfahrung, was Krieg bedeutet, sie sind ja nie betroffen.

Ein Sprichwort besagt: »Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht.« Die Glaubwürdigkeit der US-Regierungen geht gegen null! Die US-Außenpolitik hat mit Lügen über den Tonkin-Zwischenfall, bei dem angeblich ein Kriegsschiff der US-Marine von nordvietnamesischen Schnellbooten angegriffen wurde, den Vietnamkrieg provoziert. Die Brutkastenlüge im ersten Irak-Krieg, laut der irakische Soldaten kuwaitische Säuglinge in einem Krankenhaus in Kuwait-Stadt getötet haben sollen, war ein weiteres Beispiel der unverantwortlichen Kriegspolitik der US-Regierung. Spätestens seit den Lügen um angebliche Chemiewaffen im Irak oder das sogenannte Racak-Massaker im Kosovo, die alle als offizielle Kriegsgründe dienten, ist die Glaubwürdigkeit der US-Politik erschüttert. Auch im jetzigen Fall ist eine Inszenierung durch die USA nicht auszuschließen.

Werner Hillenbrand, Ludwigsburg

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Zu jW vom 22./23.6.: »Neues Spionageflugzeug für Bundeswehr«

Konrad Adenauer flog 1955 mit einer Regierungsmaschine erstmalig nach Moskau. Dort wollte er die letzten deutschen Kriegsgefangenen freibekommen. (…) In seiner Regierungsmaschine war neben dem üblichen Equipment eine ausgefeilte Spionagetechnik installiert. Es wurden illegal und völkerechtswidrig Luftaufnahmen und andere Aufzeichnungen gemacht. Der Bundeskanzler der BRD als Superspion. Jetzt soll laut Frau von der Leyen ein Airbus 319 zum Spionageflugzeug umgerüstet werden. Wenn das einwandfrei funktionieren sollte, dann wäre eine Verwendung anstelle der anfälligen Staatsflieger sinnvoll. Man schlüge zwei Fliegen mit einer Klappe.

Hans Rentmeister, Königs Wusterhausen

Wider das Vergessen

Zu jW vom 24.6.: »Gedenken an Kremlmauer«

Am 22. Juni 1941 begann Hitlerdeutschland den ungeheuerlichsten Eroberungs-, Vernichtungs- und Versklavungskrieg gegen die UdSSR, einen Krieg, wie ihn die moderne Geschichte bis dahin nicht kannte. (…) Der Tag wird bis heute in Russland, Belarus und der Ukraine als »Tag der Erinnerung und der Trauer« begangen. Gedenkzeremonien finden statt, auf Friedhöfen und an Mahnmalen, die Nationalflaggen werden gesenkt, man gedenkt in den Familien der Toten. Unterhaltungssendungen in den öffentlichen Medien finden nicht statt. Tag der Trauer und der Besinnung, des Gedenkens an die ungeheuren Opfer, die das Land erbringen musste, und an die Anstrengungen, um diesen Krieg und seine Folgen zu überwinden. Auch an die Opfer, die erbracht wurden, um Europa von der braunen Pest zu befreien. Ich habe geschaut, ob unsere öffentlich-rechtlichen TV-Medien diesen Tag, zumindest ansatzweise, in seiner Bedeutung würdigen. Leider bin ich nicht fündig geworden. Weder im Tages- noch im Abendprogramm von ARD/ZDF und den Regionalsendern gab es auch nur einen passenden Beitrag. (…) Ich war dank später Geburt nicht in diesem Krieg. Mein Vater war es. Persönliche Schuld trägt wohl kaum noch jemand. Aber die Pflicht, nicht zu vergessen, so etwas nie wieder zuzulassen, die haben wir! Unser Verein nutzte diesen Tag, um während des Landesparteitages der Linken in Chemnitz im Foyer des Tagungszentrums Stimmen für unsere beim Deutschen Bundestag eingereichte Petition zu sammeln: gegen die weitere Beteiligung der Bundesrepublik an den Sanktionen gegen Russland, gegen den Einsatz von Bundeswehr-Soldaten vor Russlands Grenzen im Baltikum, gegen logistische Handlungen von NATO-Truppen auf sächsischem Territorium zur Sicherung ihrer Baltikum-Operationen. Gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Deutsch-Russische Freundschaft bei der Linken Sachsen war das unser »Tag wider das Vergessen«.

Norbert Staffa, Erzgebirgsfreunde Russlands e. V., per E-Mail

Bombengeschäft

Zu jW vom 26.6.: »Kriegsspiele stoppen«

Sind Kriegsspiele so wichtig, dass Menschen sterben müssen und andere in akute Gefahr kommen? Nicht nur an der Müritz fliegen die Todesvögel, auch das Stadtgebiet von Güstrow ist betroffen. Selbst erfahrene Piloten, wie der Überlebende mit 1.900 Flugstunden, sind vor Unglücken nicht gefeit. Eine Flugstunde kostet 74.000 Euro. Wer bedroht Deutschland, dass die Bundesluftwaffe 140 Eurofighter (…) hat, von denen dem Vernehmen nach nur 38 einsatzbereit sind? Weit und breit kein Feind in Sicht, nur erfundene Feindbilder – wie Russland – werden uns täglich präsentiert. Von Deutschland geht die Kriegsgefahr aus. Und die Rüstungsindustrie floriert. Mehr als 100 Millionen für einen Eurofighter, ein Bombengeschäft, da erfindet man gerne Feinde.

Jutta Schubert (per Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

»Weit und breit kein Feind in Sicht, nur erfundene Feindbilder – wie Russland – werden uns täglich präsentiert. Von Deutschland geht die Kriegsgefahr aus.«