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Aus: Ausgabe vom 20.06.2019, Seite 1 / Ausland
Weltflüchtlingstag

Weltweit rund 71 Millionen Geflüchtete

Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen legt Bericht anlässich des Weltflüchtlingstags vor
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Massengrab Mittelmeer: Die tödlichen Gefahren haben im vergangenen Jahr nach UN-Angaben alarmierende Ausmaße angenommen

Seit dem knapp 70jährigen Bestehen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) hat es weltweit noch nie so viele Geflüchtete und Vertriebene gegeben. Ende vergangenen Jahres lebten 70,8 Millionen Menschen fern ihrer Heimat, die vor Gewalt, Konflikten, Verfolgung oder Menschenrechtsverletzungen geflohen waren, wie die Organisation am Mittwoch in Genf und Berlin berichtete. Das waren gut zwei Millionen Menschen mehr als noch ein Jahr zuvor. Zahlreiche andere Organisationen forderten anlässlich des heutigen Weltflüchtlingstags die Staaten auf, Fluchtursachen statt Geflüchtete zu bekämpfen.

Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, äußerte großes Bedauern darüber, dass Geflüchtete vor allem in westlichen Ländern teilweise als bedrohliche Invasoren dargestellt würden. Mehr als die Hälfte von ihnen war im vergangenen Jahr im eigenen Land vertrieben. Fast 30 Millionen waren über Grenzen geflohen und vier von fünf kamen in Nachbarländern unter, nicht in Europa oder den USA, wie der UN-Hochkommissar betonte.

Es gelte sich dafür einzusetzen, dass »die Erhöhung der Entwicklungsgelder nicht an die Erhöhung der Gelder für militärische Eingriffe und Aufrüstung gekoppelt bleibt«, sagte Helin Evrim Sommer (Die Linke), entwicklungspolitische Sprecherin ihrer Bundestagsfraktion, laut einer Mitteilung vom Mittwoch. Insbesondere das »menschenverachtende wochenlange Geschachere« bei der Aufnahme von aus Seenot geretteten Menschen, »die aus Libyen nach Europa fliehen, muss aufhören«, forderte Franziska Vilmar, Referentin für Asylpolitik bei Amnesty International in Deutschland. »Solange Europa nicht mehr legale und sichere Wege für Flüchtlinge aus der Region schafft, ist deren einzige Möglichkeit, dieser Hölle zu entkommen, die Flucht über das Mittelmeer in seeuntüchtigen Booten.« Ramona Lenz von Medico International kritisierte am Dienstag, dass europäische Staaten von Fluchtursachenbekämpfung sprächen und »statt dessen an den vorverlagerten Außengrenzen die Flüchtlinge selbst« bekämpften. (dpa/jW)