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Aus: Ausgabe vom 18.06.2019, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft
Arbeiterorganisationen

Sieg in der Autofestung

Kommunisten in Graz gehen aus Betriebsratswahlen bei Magna Steyr als Gewinner hervor. Sozialdemokratische Dominanz gebrochen
Von Christian Kaserer, Wien
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Bei Magna Steyr rollen deutsche Nobelkarossen vom Band (14.10.2014)

Dem KPÖ nahen Gewerkschaftlichen Linksblock (GLB) ist in der Steiermark ein unerwarteter Coup gelungen. Bei den Betriebsratswahlen des in Graz ansässigen Automobilherstellers und Zulieferers Magna Steyr konnte der GLB seinen Stimmenanteil mehr als verdoppeln und kommt damit insgesamt auf 18,5 Prozent. Das sind fünf der 28 zu vergebenen Mandate.

Freilich wäre es vermessen, dabei von einem Linksruck zu sprechen, aber ein respektabler und wichtiger Erfolg ist es dennoch. Magna Steyr ist mit mehr als 13.000 Mitarbeitern eines der wichtigsten Unternehmern in der Steiermark. Der dem kanadisch-österreichischen Milliardär und ehemaligen rechtskonservativen Politiker Frank Stronach gehörende Konzern macht es Gewerkschaftern erwartungsgemäß nicht leicht, hier aktiv zu sein. Das Werk ist abgeriegelt wie eine geschlossene Stadt, und wer dort nicht arbeitet oder einen Termin hat, der hat dort in der Regel auch nichts zu suchen. Wie sollte es anders sein, immerhin rollen hier deutsche Karossen wie BMW oder Mercedes vom Band.

»Dass uns dieses Mal doppelt so viele Arbeiter gewählt haben wie 2014, ist das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit bei und für die Menschen«, so die Betriebsrätin und Listenerste Hilde Tragler im Gespräch mit jW. »Das unterscheidet uns von den anderen Fraktionen. Die reden in der Regel nur groß daher, und wenn es dann Mal ernst wird, knicken sie ein. Das Argument der Chefs, eine Maßnahme wäre gut für die Firma, zieht bei denen jedes Mal, egal wie schlecht sich das auf die Arbeiter im Werk auswirkt. Wir thematisieren die Probleme und setzen uns für die Leute, jeden einzelnen, ein.«

Und Probleme gibt es bei Magna nicht wenige. Von zu geringer Bezahlung und zu hohem Arbeitsdruck über zu wenige Parkplätze oder suboptimale Kinderbetreuungsmöglichkeiten bis hin zu nach Jahren ohne plausiblen Grund gekündigten Mitarbeitern. Auch sie werden in solchen Fällen vom GLB rechtlich vertreten. »Das gute Wahlergebnis bei Magna Steyr gibt unserer Strategie recht. Wir sind direkt bei den Leuten, hören ihnen zu und probieren, jedes Pro­blem, wie klein es auch sein mag, zu lösen«, weiß Georg Erkinger, Sekretär des GLB-Steiermark, zu berichten. »Wichtig ist uns, dass wir nicht nur kurz vor den Arbeiterkammer- oder Betriebsratswahlen auftauchen und dann wieder verschwinden, sondern kontinuierlich Präsenz zeigen. So verteilen wir bei Magna sechs Mal im Jahr Informationsflyer. Auch eine eigene Betriebszeitung geben wir heraus. Weil dort auch etliche Tagespendler aus dem Raum Maribor arbeiten, achten wir zudem darauf, dass die Texte auch auf Slowenisch sind. So erreichen wir alle, und das merken die Leute dann eben«, so Erkinger.

Eine Herangehensweise, die natürlich an die erfolgreiche KPÖ-Steiermark denken lässt. Und so wie die Grazer Kommunisten um Elke Kahr und Robert Krotzer regelmäßige Mietrechtsberatungen anbieten, so stehen die GLB-Betriebsräte für entsprechende Angebote bereit. »Als kleine Fraktion im ÖGB hinter der auch keine millionenschwere Parlamentspartei steckt, ist diese Strategie für uns natürlich mit logistischen Schwierigkeiten verbunden«, sagt Erkinger. Alleine für Magna bräuchten sie bei Aktionen durchschnittlich 20 Helfer. Aber so ein Erfolg entschädige dann schon und mache Mut für die Zukunft. »Natürlich kann es oft Jahre dauern, bis sich der Erfolg allmählich zeigt, und die traditionelle Dominanz der Sozialdemokratie ist nicht zu unterschätzen. Aber am Ende ist es ein Ergebnis, das nicht nur dem GLB, sondern vor allem den Arbeitern zugute kommt.«

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