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Aus: Ausgabe vom 15.06.2019, Seite 15 / Geschichte

Anno … 25. Woche

1899, 22. Juni: Der französische Sozialist Alexandre Etienne Millerand nimmt gegen den Willen der Sozialistischen Partei das Amt des Handelsministers in der linksbürgerlichen »Regierung der Verteidigung der Republik« unter Ministerpräsident Pierre Waldeck-Rousseau an. 1904 wird er aus der Sozialistischen Partei ausgeschlossen, weil er sich immer weiter von linken Positionen entfernt. Später werden auch die revisionistischen Vertreter der deutschen Sozialdemokratie als »Millerandisten« bezeichnet.

1919, 21./22. Juni: Aus Protest gegen die Überteuerung von Lebensmitteln auf dem Mannheimer Wochenmarkt stürmen Jugendliche einen Lebensmittelgroßhandel in der badischen Stadt. Auch eine Polizeiwache wird demoliert. Die Regierung in Karlsruhe vermutet einen kommunistischen Putschversuch und fürchtet ein Wiederaufleben der bis in den Februar hinein existierenden kurzlebigen Räterepublik Kurpfalz. Polizei und Mitglieder der Mannheimer Volkswehr erschießen elf Demonstranten, über 100 werden verletzt.

1954, 18. Juni: 400 vom US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA ausgebildete »Freiheitskämpfer« dringen auf Drängen der United Fruit Company von Nicaragua aus über Honduras in Guatemala ein, um den demokratisch gewählten Präsidenten Jacobo Arbenz Guzmán zu stürzen. Am 20. Juni kommt es zu einem ersten Gefecht, das die Einheiten der Armee Guatemalas für sich entscheiden können. Die Armeeführung verhält sich dennoch passiv, und als die Bemühung scheitert, den UN-Sicherheitsrat dazu zu bringen, sich mit der Invasion zu befassen, wird der Druck aus den USA so groß, dass die Offiziere Präsident Arbenz am 27. Juni zum Rücktritt drängen. Der Anführer der CIA-Putscharmee, Castillo Armas, wird neuer Präsident des Landes. Die fortan regierenden wechselnden Militärjuntas begehen zahlreiche Menschenrechtsverletzungen. Im bis 1996 andauernden Bürgerkrieg werden nach Schätzungen 140.000 Menschen umgebracht.

1959, 19. Juni: Die französische Polizei beschlagnahmt das zwei Tage zuvor in Paris erschienene Buch »La Gangrène« (»Der Wundbrand«), in dem algerische Studenten detailliert über Folter durch die Nationalpolizei berichten. Kurz darauf erscheint eine Übersetzung des verbotenen Bandes im Ostberliner Aufbau-Verlag.

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